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Merkel in Indien : Partner Indien

  • -Aktualisiert am

Kanzlerin Angela Merkel und der indische Ministerpräsident Narendra Modi am Freitag in Neu-Delhi Bild: AP

Indien ist ein angenehmerer Partner als zum Beispiel China. Aber auch die Beziehungen zwischen Berlin und Delhi sind nicht frei von Konflikten.

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          Wenn die aktuelle Runde der deutsch-indischen Regierungskonsultationen vor einem halben Jahr stattgefunden hätte, wäre es eine Veranstaltung ziemlich frei von Konflikten geworden. Weil Indien aber zwischenzeitlich in seinem Teil Kaschmirs Dinge getan hat, die Ministerpräsident Narendra Modi für Schritte hin zu einer neuen Normalität hält, konnte die Bundeskanzlerin nicht nur freundlich lächeln und die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder loben.

          Zwar ist auch Indien sehr empfindlich, wenn es um Kritik aus dem Ausland an vermeintlich ausschließlich „inneren Angelegenheiten“ geht. Aber unter guten Partnern, und das wollen beide Länder ja ausdrücklich sein, muss es möglich sein, einander die Meinung zu sagen, ohne gleich die Beziehung als solche aufs Spiel zu setzen.

          Kooperation im deutschen Interesse

          Die deutsch-indischen Beziehungen haben eine lange Geschichte. Aber erst in jüngster Vergangenheit sind sie auf eine Ebene gehoben worden, die der Stellung beider Länder in der Welt Rechnung trägt. Das ist schade, denn bei allen Unterschieden besteht zwischen Deutschland und Indien doch ein größerer Grundkonsens als zwischen Deutschland und China. Deshalb liegt es im deutschen Interesse, auf vielen Feldern möglichst eng mit Indien zu kooperieren.

          Das wird nicht immer reibungslos ablaufen, denn Indien ist nicht nur ein großes Land. Vielmehr hat es sich, schon zum zweiten Mal hintereinander, eine Regierung gewählt, die aus ihrem Erfolg an der Wahlurne ein überschäumendes Selbstbewusstsein schöpft. Mit diplomatischem Geschick kommt man aber in Delhi allemal weiter als in Peking, wo man sich mittlerweile einen Befehlston gegenüber ausländischen Partnern angewöhnt hat.

          Deshalb wird Narendra Modi gegenüber Angela Merkel seine Kaschmir-Politik sicher nicht widerrufen. Die Einladung an rechtspopulistische Abgeordnete des Europäischen Parlaments war eine unfreundliche Geste. Sie zeigt allerdings vor allem, dass Modi Partner im Ausland braucht. Er sollte klug genug sein zu wissen, dass eine Angela Merkel verlässlicher ist als politische Irrlichter aus dem EU-Parlament.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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