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Europäische Verteidigung : Deutsch-französische Flugtransport-Staffel nimmt Betrieb auf

Annegret Kramp-Karrenbauer und Florence Parly am 17. September 2020 in Evreux Bild: AFP

Zum ersten Mal sollen 260 deutsche und französische Soldaten Hand in Hand arbeiten, um zehn Hercules-Transportmaschinen zu fliegen. Deutschland erhält seine ersten Flugzeuge allerdings erst im nächsten Februar.

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          Die erste deutsch-französische Flugtransport-Staffel hat am Mittwoch in Evreux ihren Dienst aufgenommen. „Ein konkreter, wichtiger Fortschritt für das Europa der Verteidigung“, lobte der französische Europastaatssekretär Clément Beaune. „Zum ersten Mal werden 260 deutsche und französische Soldaten Hand in Hand arbeiten, um zehn Hercules-Transportmaschinen zu fliegen“, teilte die französische Verteidigungsministerin Florence Parly mit. Sie lobte das Projekt als Meilenstein für den Aufbau einer europäischen Verteidigungskapazität.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) war zur Unterzeichnung des Vertrages eigens nach Paris gereist. „Die Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen erlangt damit eine neue Dimension“, sagte Kramp-Karrenbauer. Bislang stehen der Staffel in der Normandie nur die französischen Lockheed C-130J Flugzeuge zur Verfügung. Deutschland erhält seine ersten Super Hercules Transportflugzeuge erst im nächsten Februar, weitere sollen folgen.

          So lange fliegen die Bundeswehr-Soldaten des ersten bi-nationalen Hercules-Verbandes in Europa mit den vier französischen Flugzeugen, die zwischen Januar 2018 und Februar 2020 ausgeliefert wurden. Die volle Sollstärke von zehn Flugzeugen und 300 Soldaten aus beiden Ländern soll 2024 erreicht werden.

          Anders als bei der 1989 begründeten Deutsch-französischen Brigade, die aufgrund deutscher Beschränkungen bei den Einsatzregeln nicht als gemischte Einheit operieren kann, zielt die Transport-Staffel auf eine komplette Integration. Deutsche Mechaniker können ein französisches Flugzeug warten, das dann mit einem binationalen Team zum Einsatz startet. Auch ein gemeinsames Trainings- und Ausbildungszentrum ist im Bau.

          Mittelfristig sollen die Piloten und Flugmannschaften nicht mehr wie derzeit in den USA, sondern in der Normandie ausgebildet werden können. Für die Zertifizierung sollen die Unternehmen Thales und Rheinmetall zuständig sein. Für das Transport-Geschwader wurde eine eigene Kommandozentrale sowie moderne Flughallen auf dem französischen Luftwaffenstützpunkt in Evreux gebaut. Die Bundeswehr-Soldaten und ihre Familien werden von der Stadtverwaltung in der Normandie mit offenen Armen empfangen. Ein eigener Schalter für alle Behördengänge im Rathaus soll den Deutschen den Einstieg erleichtern. Auch das Unterrichtsangebot wurde mit Europa-Klassen für die deutschen Kinder neu ausgerichtet.

          Entscheidende Rolle der USA?

          Deutschland und Frankreich investieren bis 2024 jeweils 110 Millionen Euro in die neue Infrastruktur für die Transportflugzeugeinheit. Ende des Jahres sollen die letzten Transall der Luftwaffe ausgemustert werden. Dadurch entsteht eine Lücke, denn für Kriseneinsätze in Gegenden mit kurzen Pisten ist das europäische Transportflugzeug A400 M oftmals nicht geeignet. Deshalb hat sich das Verteidigungsministerium entschieden, sechs Super Hercules Transportflugzeuge beim amerikanischen Hersteller Lockheed zu bestellen. Drei davon haben die Tanker-Ausführung, um die dringend notwendigen Luft-Betankungskapazitäten zu verbessern. Auch zwei der französischen Super Hercules sind Tanker.

          Bei der traditionellen Militärparade am 14. Juli nahm ein Super Hercules der neuen Flugstaffel teil. Der Chef der französischen Luftwaffe, General Philippe Lavigne, sagte bei der Gelegenheit: „Unsere Integration ist sehr weit fortgeschritten.“ Frankreich sieht die Transportflugstaffel als Teil der Bestrebungen, mehr strategische Autonomie für Europa zu erreichen. Kramp-Karrenbauer hatte dieses Ziel in einem Beitrag für die Internetpublikation Politico zuletzt abgelehnt. „Die Illusion einer europäischen strategischen Autonomie muss ein Ende haben. Die Europäer können die entscheidende Rolle der USA als Garant für Sicherheit nicht ersetzen“, schrieb sie.

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