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Kommentar : Terror in Manhattan

Im Herzen New Yorks: Der Anschlag von Manhattan weckt schmerzhafte Erinnerungen. Bild: AFP

Der Terroranschlag im Herzen New Yorks offenbart einmal mehr, wie verwundbar Metropolen sind. Und wieder gerät die Einwanderung in den Fokus. Als ob das so einfach wäre.

          Es ist der schwerste islamistisch inspirierte Terroranschlag in New York seit „9/11“. Das Geschehen vom Dienstagnachmittag ist mit der Monstrosität des „Angriffs auf Amerika“, dessen systematischer Planung, Vorbereitung und Ausführung nicht zu vergleichen. Aber es ist ein weiterer Beleg dafür, dass radikale Islamisten, ob als Einzeltäter oder als Teil eines Netzwerks, in nahezu jeder Metropole der Welt ihr Mordwerk verrichten können. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ verliert weiter an Boden im Irak und in Syrien, ihr sogenanntes Kalifat ist eine Farce. Aber, und das ist die traurige Wahrheit, es gibt viele potentielle Attentäter, die bereit sind, der Aufforderung nachzukommen, „Ungläubige“ zu töten. In New York bezahlten acht Menschen einen Spaziergang mit dem Leben. Ein heiterer Nachmittag endete in einem Blutbad.

          Die Waffe, der sich der Täter dabei bediente, ist mehr oder weniger die gleiche, die auch in Nizza, Berlin, London und Barcelona eingesetzt wurde: ein Fahrzeug. Pkw, Last- oder Pritschenwagen – sie werden zu Terrorwerkzeugen, für die man keine militärische Ausbildung braucht und gegen die es selbst bei rigorosen baulichen Veränderungen keinen umfassenden Schutz gibt. Es klingt zynisch: Für Einzelgänger sind sie die ideale Waffe; vor allem für solche, die sich selbst radikalisiert haben. Nach allem, was man bislang weiß, war der Täter von Manhattan so einer.

          Der Mann war 2010 aus Usbekistan in die Vereinigten Staaten gekommen. Allein das führt zwangsläufig dazu, dass Einwanderung und Einreise in den Fokus geraten. Präsident Trump weiß natürlich sofort, was zu tun ist, und sieht in dem amerikanischen Lotterie-System für die Vergabe von Aufenthaltstiteln das Übel. Wenn es so einfach wäre. Denn der Mann soll sich erst im neuen Gastland radikalisiert, soll sich erst dort zum potentiellen Terroristen gewandelt haben. Aber auch einer, der sich seinen Aufenthaltstitel durch Leistung verdient, könnte ein zu allem bereiter Islamist werden. Will da einer am Gastland Rache üben, für was auch immer, aber religiös verbrämt? Ja, es ist richtig, dass jetzt, etwa von der Bundeskanzlerin, bekräftigt wird, wir, der Westen also, vertrauen auf die Stärke der demokratischen Gesellschaft und die Überzeugungskraft freiheitlicher Werte. Aber die Terroristen von heute kennen diese Werte – und werden zu mordenden Nihilisten. Warum?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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