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Wegen Anschlagsgefahr : Istanbuler Fußballderby abgesagt

  • Aktualisiert am

Weniger als zwei Stunden vor Beginn des Spiels wurde das Derby abgesagt und eintreffende Fans mussten das Stadion verlassen. Bild: Reuters

Nach Hinweisen auf eine Sicherheitsbedrohung hat Istanbul das Lokalderby zwischen den Fußballklubs Galatasaray und Fenerbahce abgesagt. Die deutsche Schule in Ankara bleibt eine weitere Woche geschlossen.

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          Einen Tag nach einem Selbstmordattentat in Istanbul ist wegen der Gefahr eines weiteren Anschlags ein wichtiges Fußballspiel in der türkischen Metropole abgesagt worden. Das für Sonntagabend angesetzte Spiel zwischen den Clubs Galatasaray und Fenerbahce werde wegen einer „ernsten“ Gefahr verschoben, erklärte die Stadtverwaltung der türkischen Metropole. Am Vortag waren bei einem Anschlag vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden.

          Die Absage des Derbys kam weniger als zwei Stunden vor Beginn des Spiels, das um 20.00 Uhr (Ortszeit, 19.00 Uhr MEZ) hätte beginnen sollen. Bereits eintreffende Fans wurden per Lautsprecher über die Entscheidung informiert und gebeten, das Heimstadion von Galatasaray im europäischen Teil Istanbuls zügig zu verlassen, wie Fernsehsender berichteten. Rund um die Türk Telecom Arena waren zahlreiche Polizisten postiert.

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          Bei den Todesopfern des Selbstmordattentats vom Samstag handelte es sich um drei israelische und einen iranischen Touristen. Die türkische Regierung machte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich. Der Attentäter sei eindeutig indentifiziert, er habe Verbindungen zum IS gehabt, sagte Innenminister Efkan Ala.

          Der Attentäter hatte in einer beliebten Einkaufsstraße der türkischen Metropole einen Sprengsatz gezündet. Der Vater und ein Bruder des Attentäters seien festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan. Der Innenminister sprach von insgesamt fünf Festnahmen.

          Nach Angaben des Stadt-Gouverneurs Vasip Sahin richtete sich der Anschlag gegen den Verwaltungssitz des Stadtteils Beyoglu. Am Sonntag befanden sich noch 19 Verletzte zur Behandlung im Krankenhaus. Die USA verurteilten die Attacke als „feigen Terroranschlag“ und erklärten ihre Solidarität mit dem Nato-Partner Türkei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer „entsetzlichen Gewalttat“.

          Die deutsche Schule in Ankara bleibt derweil nach eigenen Angaben eine weitere Woche geschlossen. Bis einschließlich kommenden Freitag sei die Einrichtung geschlossen, teilte die Ernst-Reuter-Schule am Sonntag auf ihrer Internetseite mit.

          Auswärtiges Amt rät zu erhöhter Vorsicht

          Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, über die Wiedereröffnung der diplomatischen Einrichtungen in Ankara und Istanbul werde am Montag entschieden. Die deutsche Botschaftsschule in Istanbul bleibe noch geschlossen. Das Außenamt riet deutschen Touristen in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten des Landes weiterhin zu erhöhter Vorsicht. Im Januar waren bei einem Selbstmordanschlag in Istanbul zwölf Deutsche getötet worden.

          Regierungschef Ahmet Davutoglu erklärte, die Türkei werde weiter mit „Entschlossenheit und Ausdauer gegen alle Formen des Terrorismus kämpfen“. Vor einer Woche waren bei einem Anschlag in Ankara 35 Menschen getötet worden. Zu der Tat bekannte sich die radikale Kurdengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK).

          Derweil trieb die Polizei in Istanbul gewaltsam mehrere hundert Menschen auseinander, die das kurdische Neujahrsfest begehen wollten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, als sich die Teilnehmer des Fests einem abgesperrten Platz im Distrikt Bakirköy nähern wollten, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mehrere dutzend Menschen wurden laut örtlichen Medienberichten festgenommen. Die Versammlung war nicht genehmigt worden.

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