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Nursultan Nasarbajew : Der Wolf von Astana

  • -Aktualisiert am

Das Land ist stromlinienförmig auf ihn ausgerichtet Bild: AFP

Die Parlamentswahl in Kasachstan war nicht die erste Wahl mit groben „Schönheitsfehlern“. Mit Schlauheit und Geschick behauptet Nursultan Nasarbajew die Macht, ohne ihn geht nichts. Ein Porträt von Michael Ludwig.

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          Der Steppenwolf von Astana ist es gewohnt, gelobt zu werden, sei es im Westen, sei es von Russland oder China. Das ölreiche Kasachstan, heißt es, sei ein Stabilitätsanker in Zentralasien; daran habe Nursultan Nasarbajew, der Präsident, großen Anteil. „Strategische Partnerschaften“ werden von den Großen dieser Welt angeboten, darunter solchen, die die Demokratie verbreiten wollen. Bisweilen nennt man Nasarbajews Präsidentschaft mit einem Schulterzucken „patriarchisch“, weil sich nun einmal nicht verbergen lässt, dass es mit der Demokratie in dem Land nicht allzu weit her ist.

          Letzteres hat die OSZE immer wieder moniert. Es greift sicherlich zu kurz, dafür allein die „Nomaden- oder Sowjetmentalität“ der Kasachen verantwortlich zu machen. Es musste schon mehr hinzukommen: das Bestreben des Mannes an der Spitze nämlich, der es vom sowjetischen Stahlarbeiter zum ZK-Sekretär der Kommunisten in Kasachstan, zum Mitglied des Moskauer Politbüros und schließlich zum gewählten Präsidenten brachte, so viel Macht wie möglich auf seine Person zu vereinigen.

          Wahlen mit groben „Schönheitsfehlern“

          Zeit genug hatte er dafür. 1990 wurde Nasarbajew vom Obersten Sowjet Kasachstans zum Präsidenten gewählt, im Jahr darauf vom Volk bestätigt. Seither haben Wahlen mit groben „Schönheitsfehlern“ und Volksabstimmungen von der gleichen „Qualität“ es ihm ermöglicht, im Amt zu bleiben.

          Nasarbajew sich als „Vater der Kasachen”

          Nasarbajew ist unlängst 67 Jahre alt geworden und ließ sich kurz vor seinem Geburtstag vom Parlament verbriefen, dass er sich, sooft es ihm beliebt, um das höchste Staatsamt bewerben dürfe. Nach der Parlamentswahl gibt es nur noch eine politische Kraft, die zählt, die Präsidentenpartei Nur Otan, und Nasarbajew ist seit kurzem ihr Vorsitzender.

          Er sieht sich als „Vater der Kasachen“, der das Land durch die schwierige Transformationsphase nach dem Ende der Sowjetunion gebracht hat und dafür unangefochtene Herrschaft verdient. Nasarbajew gehört zur Riege der hohen Sowjetfunktionäre, die es nach dem Zusammenbruch des „Vaterlandes aller Werktätigen“ mit Schlauheit und Geschick verstanden, die Macht in ihren ehemaligen Sowjetrepubliken an sich zu bringen und zu behaupten. Meist vergeblich war die Hoffnung, dass sie nach und nach von Männern oder Frauen abgelöst würden, die sich als technokratische Politiker oder Geschäftsleute ihre Sporen verdienen und mehr Pluralität und Demokratie auf ihre Fahnen schreiben würden.

          Niemand stellt den Patriarchen in Frage

          Aber weit und breit ist hier niemand, keine politische Kraft in Sicht, der die Herrschaft des Patriarchen in Frage stellen kann. Die Situation wird vielfach so beschrieben, dass ohne Nasarbajew in Kasachstan nichts geht. Nicht einmal die großen wirtschaftlich-finanziellen Gruppen sind ohne die Duldung des Präsidenten, der zudem offenbar als Schiedsrichter fungiert, von Bestand. Das Land ist stromlinienförmig auf den Patriarchen ausgerichtet.

          Was Kasachstan dennoch bis auf weiteres Ansehen einbringt, sind die schlimmen politischen Zustände in Usbekistan oder Turkmenistan, die als schwarze Folie dienen, vor der Kasachstan fast schon als Hort der Freiheit erstrahlt. Nur mit den Schwiegersöhnen und den drei Töchtern tut sich der Patriarch schwer. Die Ehen halten entweder nicht, oder die Schwiegersöhne streben nach zu viel Macht und Geld.

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