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Homosexuelle Partnerschaften : Der Vatikan erklärt die Worte des Papstes

Papst Franziskus Ende Juni im Petersdom Bild: dpa

Papst Franziskus hat mit der Aussage, dass er ein Gesetz für eingetragene Partnerschaften befürworte, viel Aufsehen erregt. Nun nimmt der Vatikan dazu Stellung.

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          Der Vatikan hat klargestellt, dass die jüngst publik gewordenen Äußerungen von Papst Franziskus über gleichgeschlechtliche Partnerschaften nichts an der ablehnenden Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexualität änderten. Es sei „offensichtlich, dass sich der Papst auf bestimmte staatliche Bestimmungen, aber gewiss nicht auf die kirchliche Lehre bezogen hat, die er in den vergangenen Jahren viele Mal bekräftigt hat“, heißt es in einem Schreiben, das vom Staatssekretariat offenbar an die Apostolischen Nuntien zur Weiterleitung an alle katholischen Bischofskonferenzen weltweit versandt wurde.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Zugleich weist der Vatikan darauf hin, dass es sich um aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen aus einem früheren Interview handele. Veröffentlicht wurde der Text des Schreibens vom Apostolischen Nuntius in Mexiko, Erzbischof Franco Coppola, auf Twitter.

          Aussagen schon von 2019

          In einem Dokumentarfilm des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski, der vor zwei Wochen auf einem Filmfestival in Rom gezeigt wurde, sagt Franziskus: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben“. Auch sie seien Kinder Gottes, man dürfe sie nicht „hinauswerfen“. Dann folgt der Satz: „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht. Dafür habe ich mich eingesetzt.“

          Es war das erste Mal, dass ein Papst eine zivilrechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften befürwortete. Die Glaubenskongregation hatte eine solche Anerkennung 2003 unter ihrem damaligen Präfekten, Jospeh Kardinal Ratzinger, ausdrücklich abgelehnt. Nach katholischer Lehre sind homosexuelle Handlungen „nicht zu billigen“, weil sie gegen das göttliche Gesetz verstoßen. Homosexuelle dürfen jedoch nicht diskriminiert werden.

          Der Vatikan teilte den Bischöfen nun mit, es handle sich um zwei Aussagen aus einem früheren Interview des Papstes, das er 2019 mit dem mexikanischen Fernsehsender Televisa geführt habe. Die beiden Sätze stammten ursprünglich aus unterschiedlichen Zusammenhängen, seien in dem Dokumentarfilm jedoch zu einer Antwort zusammengefügt worden. Das habe Verwirrung gestiftet.

          Welche Familie ist gemeint?

          Der Satz über das Recht auf eine Familie bezieht sich laut vatikanischer Darstellung in seinem ursprünglichen Zusammenhang darauf, dass Homosexuelle von ihrer Familie nicht diskriminiert werden sollten. In diesem Sinne hatte sich Franziskus 2016 auch in seinem Schreiben „Amoris laetitia“ geäußert. Der Satz über die rechtliche Anerkennung fiel demnach in einem anderen Teil des Interviews, in dem es um die Ablehnung eines Gesetzes zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe 2010 in Argentinien ging. Der heutige Papst und damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, hatte dieses Gesetz damals abgelehnt.

          In dem Interview habe Franziskus dazu gesagt, dass es eine „Unvereinbarkeit“ sei, von einer gleichgeschlechtlichen Ehe zu sprechen. Dann fiel laut Vatikan jener Satz über die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, der in dem Dokumentarfilm vorkommt. Zuvor hatte schon der Catholic News Service, die Nachrichtenagentur der amerikanischen Bischofskonferenz, der die ursprüngliche Fassung des Interviews von 2019 vorliegt, eine deckungsgleiche Rekonstruktion vorgelegt.

          Vom Vatikan zensiert

          Offen lässt der Vatikan die Frage, warum die päpstliche Aussage zu den homosexuellen Partnerschaften, in der 2019 veröffentlichten Version des Interviews mit dem mexikanischen Fernsehsender nicht enthalten war. Der mexikanische Sender hatte mitgeteilt, dass die Endfassung des Interviews vom Vatikan stamme. Offenbar hatte der Vatikan diese Aussage zensiert. Ebenfalls offen bleibt, ob der Vatikan die Äußerung des Papstes nun wissentlich freigegeben hat, oder ob er nicht wusste, dass sie in dem Material enthalten war, das der russische Regisseur im Vatikan gesichtet hatte. Der Vatikan teilt nur mit, dass die Hinweise für ein „angemessenes Verständnis“ der Papstworte auf ausdrücklichen Wunsch von Franziskus erfolgt seien.

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