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Streit über EM-Finale : UEFA ohne Verantwortung

Im vollen Ferenc-Puskás-Stadion in Budapest nach dem Spiel Ungarn-Frankreich am 19. Juni 2021 Bild: AP

Während in Europa die Regierungen darum bemüht sind, die Ausbreitung der gefährlichen Delta-Variante des Corona-Virus einzudämmen, spielt die UEFA mit dem Wohlergehen von Menschen.

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          Etwas mehr als eine Woche nach Beginn der Fußball-EM wird immer deutlicher, wie fragwürdig die über den ganzen Kontinent verteilte Austragung des Turniers unter Corona-Bedingungen ist. Während die meisten Regierungen mit der Frage befasst sind, wie die Ausbreitung der aggressiveren Delta-Variante wenn nicht eingedämmt, so doch wenigstens verlangsamt werden kann, reisen Mannschaften mit ihrem ganzen Tross, Fans und Journalisten quer durch Europa. Dadurch wächst das Risiko, dass nur für eine Unterhaltungsveranstaltung viele der Fortschritte zunichtegemacht werden, die durch strenge Maßnahmen in den vergangenen Monaten und durch die Impfkampagnen erzielt worden sind.

          Schon mehrere Male hat sich seit Beginn der Pandemie gezeigt, wie schnell das Virus sich wieder ausbreiten kann, wenn in einem Moment des Aufatmens über sinkende Zahlen Nachlässigkeit um sich greift. Derzeit ist das an mehreren Orten in Europa zu beobachten, auch an EM-Spielstätten. In St. Petersburg erreicht die Pandemie neue Höchstwerte; in Großbritannien, wo das Finale stattfinden soll, hat Premierminister Johnson den eigentlich für diesen Montag angekündigten „Tag der Freiheit“, an dem die Corona-Maßnahmen aufgehoben werden sollten, um einen Monat verschoben – das sei nötig, um „viele Tausend Menschenleben zu retten“.

          Die UEFA scheint das nicht zu berühren: Sie droht London mit dem Entzug des Finales, wenn es dafür keine Ausnahmeregeln gibt. Damit bleibt der Verband unter verschärften Bedingungen bei jener Verantwortungslosigkeit, mit der er schon darauf beharrt hat, dass alle Spiele vor Zuschauern ausgetragen werden. Wie ernst es der UEFA mit ihren Bekenntnissen zum Kampf gegen Corona wirklich ist, sieht man an der Laxheit, mit der Hygienemaßnahmen – wie in München – gehandhabt werden, und an ihrer Begeisterung für das Superspreader-Event in Budapest. Entweder die UEFA-Führung hat nicht verstanden, was in der Welt seit Frühjahr 2020 geschieht, oder sie setzt aus Eigeninteresse bewusst das Wohlergehen und gar das Leben vieler Menschen aufs Spiel.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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