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Der tiefe Fall des Bo Xilai : Polit-Thriller, garniert mit Mord

  • -Aktualisiert am

Steiler Aufstieg, tiefer Fall: Bo Xilai Bild: REUTERS

Normalerweise wird Politik in China hinter verschlossenen Türen gemacht. Der Sturz des populären Bo Xilai gewährt jedoch seltene Einblicke: Es ist ein Polit-Thriller, garniert mit einem Mordfall.

          5 Min.

          Jetzt geht es also um Mord – und alles mutet inzwischen an wie ein Polit-Thriller: Ein aufstrebender Politiker legt sich mit Parteiestablishment an, sein langjähriger Weggefährte flüchtet mit vermeintlichem Geheimunterlagen ins amerikanische Konsulat. Der Politiker wird daraufhin gestürzt und verliert all seine Ämter. Doch was sich liest wie ein Buch von John Le Carré, ist der tiefe Fall des Bo Xilai, bis vor kurzem noch Hoffnungsträger von Chinas „Neuen Linken“. Nun wird auch noch gegen Bos Frau Gu Kailai ermittelt: wegen der Ermordung des britischen Geschäftsmannes Neil Heywood.

          Heywood, ein langjähriger Freund und enger Vertrauter der Familie Bo, wurde am 15. November vergangenen Jahres tot im Chongqinger Hotel „Nanshan Lijing Holiday“ aufgefunden. Die amtliche Diagnose von damals: Tod durch übermäßigen Alkoholkonsum. Schnell und ohne Autopsie wurde die Leiche eingeäschert. Nun heißt es jedoch, Bos Frau und Heywood hätten geschäftliche Differenzen gehabt. Der Fall müsse neu untersucht werden. „Der Tod von Neil Heywood ist ein ernster Kriminalfall, in den die Familie und Mitarbeiter eines Partei- und Staatsführers verwickelt sind“, schreibt die Pekinger Zeitung „Renmin Ribao“.

          Bos Frau Gu Kailai
          Bos Frau Gu Kailai : Bild: REUTERS

          Chinesischen Medienberichten zufolge soll Heywood für Bos Frau Gu jahrelang Geld ins Ausland transferiert haben. Kurz vor Heywoods Tod sei es allerdings zu einem Streit zwischen den beiden darüber gekommen, wie viel Geld Heywood für seine Dienste erhalten solle. Ein Vertrauter sagte gegenüber der Zeitung „New York Times“, dass Bos Frau sich von Heywood betrogen gefühlt habe.

          Die Geschichte begann eigentlich schon 1992 im nordostchinesischen Dalian: Bos Frau betrieb in der Hafenstadt lange eine Anwaltskanzlei. Nachdem sie in Amerika einige chinesische Unternehmen erfolgreich vertreten hatte, galt sie bald als eine der besten Anwältinnen Chinas. In Amerika trat sie gerne unter dem Pseudonym Horus L. Kai auf. Horus, der ägyptische Sonnengott, diente auch als Namenspatron für ihre eigene Kanzlei. Nebenbei unterstützte sie ausländische Unternehmer beim Kauf von Immobilien in Dalian. Ihr Ehemann Bo Xilai war von 1993 bis 2000 Bürgermeister von Dalian.

          Der britische Geschäftsmann Neil Heywood
          Der britische Geschäftsmann Neil Heywood : Bild: REUTERS

          Aus jener Zeit datiert auch die Bekanntschaft zwischen Bo, seiner Frau Gu und Neil Heywood. Der 1970 in London geborene Heywood studierte an der renommierten Wirtschaftsuniversität Warwick, wo er 1992 auch seinen Abschluss machte. Es war die Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums in China, und wie viele westliche Wirtschaftsexperten vor ihm wollte auch Heywood sein Glück in der Volksrepublik versuchen. Allerdings arbeitete Heywood zunächst als Englischlehrer – in Dalian.

          Markenzeichen roter Ferrari

          Dort kam er erstmals in Kontakt mit Bo Xilai, den er wegen einer Geschäftsidee kontaktiert haben soll. Heywood gründete die Beratungsgesellschaft „Heywood Boddington Associates“ mit Sitz in London und bezeichnete sich fortan als Vermittler zwischen Familie Bo und britischen Geschäftsleuten. Er wurde zu einem „bai shoutao“, zum sogenannten weißen Handschuh für Bos Familie: Heywood tätigte im Namen der Familie deren finanzielle Geschäfte. Dazu gehörte auch, dass Heywood Bos Sohn zu einer Ausbildung an der nicht ganz günstigen Londoner Eliteschule Harrow verholfen haben soll. Die Schulleitung verlangt eine Schulgebühr von 35.000 Euro jährlich. Mittlerweile studiert Bos Sohn an der amerikanischen Elite-Universität Harvard. Bei seinen regelmäßigen Besuchen in der chinesischen Hauptstadt Peking hat Bos Sohn ein Markenzeichen: seinen roten Ferrari.

          Und auch die anderen Mitglieder der Familie Bo haben schillernde Lebensläufe: Bos älterer Bruder, Bo Xiyong, arbeitet seit Jahren als Geschäftsführer der staatlichen „China Everbright Holdings“. Dort erhält er ein Jahresgehalt von 1,3 Millionen Euro, allerdings benutzt er dafür wie Bos Frau auch ein Pseudonym. Es sind Decknamen, die verheimlichen sollen, an wen in Wirklichkeit das Geld fließt. Eine Schwester von Bos Frau soll in Hongkong acht Privatunternehmen geführt haben. Und Bos Frau selbst, Gu Kailai, hat während der Schulzeit ihres Sohnes in Großbritannien die Firma Adad Ltd. gegründet. Über die Firma selbst ist wenig bekannt, registriert war sie in der Grafschaft Dorset – nicht weit vom Wohnort der Familie Heywood entfernt.

          Bo Xilai (rechts) zusammen mit seinem Sohn Guagua
          Bo Xilai (rechts) zusammen mit seinem Sohn Guagua : Bild: REUTERS

          Millionen-Gehälter, zahlreiche Pseudonyme, verstreuter privater Firmenbesitz und eine eigene Anwaltskanzlei - das alles in einer Familie, deren Oberhaupt öffentlich die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich anprangerte und dafür das sozialistische Erbe des „Großen Steuermanns“ Mao Zedongs propagierte?

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