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Teurer Franken : Viel Platz auf Schweizer Skipisten

Saas-Fee: Einst wurde hier das „Last Christmas“-Video gedreht, aber Partys wie zu „Wham-Zeiten“ sind lange vorbei Bild: dpa

Der teure Franken verschreckt Touristen, Urlaub bei den Eidgenossen ist zum Luxusgut avanciert. Für den Tourismus im Alpenland ist das ein doppelter Fluch. Das haben auch die Osterferien gezeigt.

          6 Min.

          Vor Ostern in Saas-Fee: Eine Piste so breit wie drei Autobahnen nebeneinander. Zwei Meter feinster Schnee unter den Brettern. Sonne, knallblauer Himmel. Und kaum ein Mensch weit und breit. Willkommen im Land des Superfranken! Ob an den Hängen des Allalinhorns, des Felskinns oder des Plattjens – überall in den Walliser Bergen kann man den Skiern freien Lauf lassen und hernach ohne lästige Wartezeit wieder in den Lift hüpfen. Mittags, auf dem Sonnendeck des Berghauses an der Längfluh, hat man die Qual der Wahl: eine Pause in einem der vielen leeren Liegestühle oder lieber eine Jause an einem der vielen freien Holztische auf der Veranda inmitten der spektakulären Gletscherarena.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Ein Traum – für den, der sich das leisten kann. Ferien in der Schweiz zu verbringen war schon immer teuer. Seit dem 15. Januar indes ist der Urlaub bei den Eidgenossen zum Luxusgut avanciert. An jenem Tag gab die Schweizerische Nationalbank den Frankenkurs frei, den sie bis dahin künstlich niedrig gehalten hatte. Die Mindestkursgrenze von 1,20 Franken je Euro fiel. In der Folge wertete die Schweizer Währung stark auf. Ein Euro ist jetzt nur noch 1,04 Franken wert. „Das ist schon bitter“, sagt ein Unternehmer aus Frankfurt in der Gondel auf dem Weg zum Gipfel. Er kommt seit 30 Jahren nach Saas-Fee. „Ein Bier für 7 Euro, die Flasche Wein für 60 Euro.“ Er rät: „Am bestenschaut man im Restaurant gar nicht mehr auf die Preise, sonst schlägt das nur aufs Gemüt.“

          Ein Pärchen aus Stuttgart lädt gerade sein Gepäck in ein Elektrotaxi um, das die zwei zu ihrer kleinen Ferienwohnung im autofreien Saas-Fee kutschieren soll. Richtig glücklich schauen die beiden Schwaben trotz der strahlenden Sonne nicht drein: „Wir konnten nicht mehr stornieren“, klagt der Mann. Er hat ausgerechnet, dass die Ferienwoche des Paares nun rund 600 Euro teurer wird. Es werde sein letzter Urlaub in der Schweiz sein, sagt er. „Es ist wirklich sehr schön hier. Aber die Preise machen einen fertig. Nächstes Jahr fahren wir nach Österreich.“

          Was kostet ein Tag Skifahren in Saas-Fee? Skipass: 76 Franken; Mittagessen im einfachen Bergrestaurant Plattjen: Spaghetti Bolognese für 19 Franken, dazu eine Apfelschorle für 6,50; (Zwangs-)Parkplatz: 19 Franken. Macht zusammen gut 120 Franken oder 115 Euro ohne Abendessen und Übernachtung.

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          Kein Wunder, dass auf dem riesigen Sammelparkplatz am Ortseingang nur wenige ausländische Kennzeichen zu sehen sind. Die Schweizer sind klar in der Überzahl. Für sie, die in Franken bezahlt werden, hat sich rechnerisch nichts verändert. Außer, dass die Schweizer im Ausland natürlich nun über eine noch größere Kaufkraft verfügen. Oder anders gesagt: Urlaub in Deutschland, Frankreich oder Italien ist für die Schweizer jetzt so billig wie noch nie. So gesehen ist die Frankenstärke für den Tourismus in dem Alpenland ein doppelter Fluch.

          Der Gästeschwund in den Bergregionen macht auch vor bekannten Orten wie Saas-Fee nicht halt. Der alpinen Legende nach liegt dort die Wiege des Schweizer Wintersports: Am 20. Dezember 1849 ereilte den Pfarrer Johann Josef Imseng der Ruf eines Sterbenden in Saas-Grund. Um den Nachbarort im Tal möglichst schnell zu erreichen, ließ der Pfarrer zwei Bretter mit Riemen und Schnüren an seinen Schuhen befestigen und rauschte bergab. Dies soll die erste Skiabfahrt der Schweiz gewesen sein. Trotz der langen Historie als Skiort und trotz der Schneesicherheit – Saas-Fee liegt 1800 Meter hoch und wird gleich von mehreren Gletschern umspielt – ist die Zahl der Gäste in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gesunken.

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