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Damaskus im Aufwind : „Warum sollten wir Donald Trump fürchten?“

Der syrische Machthaber al Assad besucht die Truppen in der Region Ost-Ghouta. Bild: dpa

Baschar al Assad will ganz Syrien zurückerobern. Diesem Ziel ist der Machthaber mit der Ghouta-Offensive entscheidend näher gekommen. Seitdem strotzt das Regime nur so vor Selbstbewusstsein – und stichelt gegen Amerikas Präsidenten.

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          Als Baschar al Assad der Armee vor einigen Tagen einen Besuch in den umkämpften Vororten von Damaskus abstattete, mutete es an wie eine vorgezogene Siegesfeier. „Die Menschen von Damaskus sind euch sehr dankbar“, rief er den Soldaten zu. „Sie werden sich viele Jahre daran erinnern. Sie werden ihren Kindern erzählen, wie ihr Damaskus gerettet habt.“ Bemerkenswerter als der Truppenbesuch war ein Video, das den Präsidenten auf dem Weg dorthin zeigte. Assad saß selbst hinter dem Steuer, präsentierte sich ohne Sicherheitsentourage, so, als fahre ein ganz normaler Syrer zur Arbeit. Der Präsident, ein Mann des Volkes, ist so unangefochten, dass er nicht einmal Angst haben muss, wenn er allein in ein Kampfgebiet fährt, lautete die Botschaft.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Assad ist seinem erklärten Ziel, ganz Syrien zurückzuerobern, in diesen Tagen ein entscheidendes Stück näher gekommen: Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis das Militär die seit 2013 belagerten Damaszener Vororte von Ost-Ghouta vollständig unter seine Kontrolle gebracht hat. Tausende der aufständischen Milizionäre und ihre Familien sind schon im Zuge eines Kapitulationsabkommens, das unter russischer Vermittlung ausgehandelt worden ist, fortgebracht worden. Die verbliebene Salafistenmiliz „Armee des Islams“ verhandelt ebenfalls.

          „Es gibt im Westen nicht einen Anführer mit Format“

          Bedeutend ist der Erfolg der Ghouta-Offensive, weil die Präsenz der islamistischen Rebellen am Rande der Hauptstadt über Jahre ein Stachel im Fleisch des Regimes war. Der Rückeroberungsfeldzug hatte überdies einen stärkeren syrischen Akzent als etwa die Schlacht um Aleppo, die am Boden maßgeblich von schiitischen Hilfstruppen unter dem Banner Teherans geschlagen worden war.

          Angesichts des sicheren Sieges strotzen die Vertreter des Regimes nur so vor Selbstbewusstsein. Faisal Mikdad, der stellvertretende Außenminister, zieht während eines Treffens in Damaskus offen über die Feinde im Westen her. „Warum sollten wir Donald Trump fürchten?“, sagt er, angesprochen auf die jüngsten Signale aus Washington, wegen des wiederholten Einsatzes von chemischen Kampfstoffen durch die syrische Armee einen abermaligen Gegenschlag zu erwägen. „Es gibt im Westen nicht einen Anführer mit Format“, sagt er weiter. Und er äußert die Forderung, der Westen solle für den Wiederaufbau Syriens bezahlen, denn der Westen sei schließlich schuld an dem Krieg. Ob der Westen nach einem Ende des Krieges Geld für den Wiederaufbau bereitstellt, oder nicht: Man sollte sich keine Hoffnungen machen, dass Damaskus im Gegenzug einen Deut von seiner harten Linie abweicht und noch so geringe Zugeständnisse macht.

          Doch auch einem siegreichen Regime stehen harte Zeiten bevor. Es ist mit immensen Herausforderungen konfrontiert. Solange der Krieg andauert, scheint Assad für viele in der Bevölkerung als Beschützer vor den Islamisten in der Opposition unersetzlich zu sein. Für die Zeit hat der syrische Machthaber auch einen großen Handlungsspielraum gegenüber seinen mächtigen Alliierten Russland und Iran. Sowohl für Teheran als auch für Moskau ist es derzeit zu wichtig, dass Assad – auch als Symbol für ihre geglückte Intervention – an der Macht bleibt, als dass sie ihn im Stich lassen würden, weil er nicht nach ihrer Pfeife tanzt. Wenn der Sieg offiziell ist, könnte es für das Regime schwerer werden, sich dem Druck und den Forderungen seiner Schutzherren zu entziehen.

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