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Ergebnis des Trumpismus : Der Mob im Kapitol

Trump-Unterstützer stürmen das Kapitol in Washington am Mittwoch. Bild: AFP

Dass Tausende am Mittwoch das Symbol der amerikanischen Demokratie belagerten, ist der Tiefpunkt der Trump-Präsidentschaft. Es ist das Ergebnis von vier Jahren Hetze, Verunglimpfung und Dämonisierung.

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          Es ist so gekommen, wie viele es befürchtet hatten, wie viele andere, ungeachtet der aufgeheizten Stimmung der vergangenen Tage, es nicht für möglich gehalten haben: Sogenannte Demonstranten haben das Kapitol in Washington gestürmt. Tausende belagerten das Symbol der amerikanischen Demokratie, als die beiden Kammern zusammengetreten waren, um die Ergebnisse der Präsidentenwahl aus den Bundesstaaten und also den Sieg des Demokraten Joe Biden zu bestätigen. Der Vizepräsident, den Donald Trump noch Stunden zuvor verunglimpft hatte, musste in Sicherheit gebracht werden, Abgeordnete und Senatoren mussten irgendwo Zuflucht suchen.

          Die Bilder, die am Mittwoch um die Welt gehen, sind der unfassbare Tiefpunkt der Trump-Präsidentschaft. Zu sagen, sie sind der Vereinigten Staaten unwürdig, ist maßlos untertrieben. Sie sind eine Schande für das Land, das sich nicht nur selbst als Vormacht der demokratischen Staaten versteht. Die Gewalt ist die Ausgeburt des Trumpismus; sie ist das Ergebnis von vier Jahren Hetze, Verunglimpfung und Dämonisierung.

          Öl ins Feuer gegossen

          Noch Stunden zuvor hatte Trump vor seinen Anhängern Öl ins Feuer gegossen – an einem Tag, an dem Senatoren und Abgeordnete ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nachkommen sollten und wollten. Jene Republikaner, die sich zu verantwortungslosen Helfershelfer eines Präsidenten machten, der sich sträubt, seine Wahlniederlage einzugestehen und womöglich nicht bei Sinnen ist, haben große Schuld auf sich geladen. Dass die Sicherheitskräfte die Lage nicht unter Kontrolle hatten, ist eine andere Geschichte.

          Dieses Schauspiel zeigt in verdichteter Form den Zustand der Vereinigten Staaten und das Ausmaß ihrer Zerrissenheit. Nur Stunden vor dem Sturm eines Mobs auf das Kapitol hatte im Bundesstaat Georgia ein schwarzer demokratischer Kandidat den Sieg in einer Nachwahl zum Senat errungen. Er ist der erste Afroamerikaner überhaupt, der den Staat im Senat in Washington vertreten wird – wahrlich ein historisches Ergebnis. Das Geschehen in der Hauptstadt, die faule Frucht von Verschwörungsgeschwätz, ist historisch, weil es so schändlich ist.

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