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Fünf Jahre Südsudan : Junges Land ohne Zukunft

  • -Aktualisiert am

Ein knappes Drittel der südsudanesischen Bevölkerung lebt in Hunger. Bild: Reuters

Der Südsudan ist als jüngster Staat gescheitert. Ethnische Rivalitäten und Lebensmittelknappheit stürzen das Land in Krisen. Von Frieden kann keine Rede sein.

          Wenige Tage vor der Unabhängigkeitserklärung Südsudans vom 9. Juli 2011 sah Diane de Guzman eine düstere Zukunft für den jüngsten Staat der Welt voraus: „Das wird in einer Katastrophe enden“, sagte die Frau, die sich damals im Auftrag der Vereinten Nationen um die Bildung staatlicher Strukturen in Südsudan kümmerte.

          De Guzman sollte Recht behalten: Fünf Jahre später ist Südsudan abermals in einen Krieg verwickelt, der bislang mehrere zehntausend Opfer gefordert und rund 2,3 Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht hat.

          Nahezu fünf Millionen Südsudanesen und damit ein Drittel der Bevölkerung sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen inzwischen von Hunger bedroht, weil die landwirtschaftliche Produktion zum Erliegen gekommen ist und die wenigen Lebensmittel, die noch produziert werden, aufgrund der Kriegshandlungen nicht transportiert werden können.

          Scheitert der Südsudan an seinen ethnischen Rivalitäten?

          Doch dieses Mal ist es nicht der muslimische Norden Sudans, der Südsudan mit Krieg überzieht. Dieses Mal ist der Konflikt hausgemacht. Im Dezember 2013 putschte der ehemalige stellvertretende Präsident Riek Machar gegen Präsident Salva Kiir, und daraus erwuchs ein Krieg zwischen den einflussreichsten Volksgruppen.

          Machar gehört der Ethnie der Nuer an; sie werfen dem Präsidenten vor, das Land unter den Angehörigen seiner Volksgruppe, den Dinka, aufzuteilen. Genau das hatte Diane de Guzman 2011 vorhergesagt: Dass Südsudan an seinen ethnischen Rivalitäten scheitern werde, weil die Dinka aus ihrer führenden Rolle während des Krieges gegen den Norden den Anspruch ableiten würden, sich erst einmal selbst zu bedienen.

          Die Machthaber in Khartum, die seit 1955 nahezu ununterbrochen Krieg geführt hatten gegen den christlich-animistischen Süden, hatten das Gleiche prophezeit, allen voran Sudans Präsident Omar al Baschir.

          Misstrauen gegen Rückkehrer

          Die Amerikaner, die 2005 Pate standen beim Friedensabkommen zwischen Norden und Süden, aus dem schließlich die Unabhängigkeit erwuchs, hatten gehofft, dass die Auslandssudanesen das neue Land schon irgendwie voranbringen würden. Millionen von Südsudanesen waren bei Ausbruch des zweiten Krieges zwischen Norden und Süden in den achtziger Jahren geflohen. Viele von ihnen haben in Amerika und Europa Schutz gefunden und eine Ausbildung genossen.

          Bei einer Alphabetisierungsrate von lediglich 27 Prozent wären das Wissen und die Fähigkeiten der Auslandssudanesen eine Wohltat für das Land gewesen. Doch die Rückkehrer, die nach der Unabhängigkeit in Scharen nach Südsudan strömten, wurden bestenfalls halbherzig willkommen geheißen.

          Nach Lesart der Mächtigen in dem neuen Staat hatten sie sich vor Krieg und Elend gedrückt, warum sollten ausgerechnet diese Leute nun Geschäfte machen dürfen? Fünf Jahre nach Erlangen der Unabhängigkeit liegt die Ölproduktion, die dem Land Wohlstand bringen sollte, aufgrund des Krieges darnieder. Die ohnehin seit Beginn an schlechten Beziehungen zu Khartum sind auf einem Tiefpunkt angelangt, weil der Süden Rebellenbewegungen in einigen Provinzen des Nordens finanziert.

          Im August vergangenen Jahres hatten die beiden Kriegsparteien einen Frieden geschlossen. Vorgesehen ist unter anderem, dass Rebellenführer Machar seinen Posten als stellvertretender Präsident zurückbekommt und in die Regierungsarbeit in Juba eingebunden wird. Doch von Frieden kann noch lange keine Rede sein. Die Kämpfe gehen mit erneuerter Heftigkeit weiter. Allein am Tag des Jubiläums wurden mehr als 100 Soldaten getötet.

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