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Beginn des 30-jährigen Krieges : „Der Krieg war eine furchtbare Katastrophe“

Vor 400 Jahren stürzten evangelische Aufständische die Statthalter des Königs aus dem Fenster der Prager Burg: Wenzel von Broznik malte seine Vorstellung der Ereignisse 1889 Bild: akg-images

Vor 400 Jahren stürzten Aufständische in Prag die Statthalter des Königs aus einem Fenster der Prager Burg. Damit begann der 30-jährige Krieg, der alles übertraf, was man vorher kannte. Ein Interview.

          8 Min.

          Vor genau 400 Jahren warfen Aufständische die Statthalter des Königs aus einem Fenster der Prager Burg und starteten damit ungewollt den Dreißigjährigen Krieg. Warum ist der Prager Fenstersturz ein Ereignis von europäischer Bedeutung geworden?

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der Prager Fenstersturz war zunächst ein Ereignis regionaler Dimension. Es ging um den Gegensatz zwischen dem katholisch-habsburgischen Königtum in Böhmen, das im römisch-deutschen Reich zugleich Inhaber des Kaisertums war, und dem mehrheitlich nicht-katholischen Adel in Böhmen. Dieser Gegensatz entlud sich im Aufstand eines radikalen Teils des böhmischen Adels gegen die königlichen Statthalter. Zu einem europäischen Ereignis ist es geworden, weil sich dieser Konflikt sukzessiv entgrenzt hat. Beide Seiten waren eigentlich nicht in der Lage, den nun ausgebrochenen Krieg aus eigenen Mitteln zu führen, mussten sich also an Verbündete wenden. Das führte dazu, dass weitere Konflikte in diesen böhmischen Kriegsschauplatz hineingezogen wurden. So wurde ein regionaler Konflikt um ein durchaus wichtiges Königreich in das Reich und nach Europa hin ausgedehnt.

          Was erhofften sich die Verschwörer genau?

          Ihr Ziel war, radikal mit der habsburgischen Herrschaft zu brechen und ein nichtkatholisches Ständeregiment mit einer sehr starken Mitbestimmung des Adels in Böhmen zu errichten, um künftig alle Gefahren einer katholischen Gegenreformation auszuschließen. Sie wählten das traditionelle Mittel des Fenstersturzes, um den Bruch mit dem Königtum endgültig zu machen, das eigentliche Ziel dieser Aktion. Es war zwar als spontane Wutaktion ausgeflaggt, aber es war von langer Hand geplant. Sie warfen die Statthalter Graf von Martinitz und Wilhelm Slawata sowie den Sekretarius, der eigentlich gar nichts mit der Angelegenheit zu tun hatte, aus dem Fenster, durchaus mit der Absicht, diese zu töten. Dass da unten ein Misthaufen war, der die drei gerettet hat, war nicht geplant.

          Hatten die Aufständischen dabei auch auf externe Hilfe gezählt?

          Absolut. Einerseits hofften sie auf das evangelische Selbstverteidigungsbündnis im Reich, die sogenannte Union. Aber sie hatten ihre Blicke auch hilfesuchend auf europäische Großmächte wie die Niederlande und England geworfen. Sie mussten aber feststellen, dass diese potentiellen Partner nicht zur Verfügung standen. Die Union im Reich sah sich als nicht zuständig an und fürchtete, in diesen Konflikt hineingezogen zu werden. Auch die Niederlande und England lehnten ab. Die Niederlande, weil sie selbst vor einem abermaligen Konflikt mit Spanien standen. Und Jakob I. von England war zwar ein überzeugter Protestant, verabscheute aber Revolutionen jeder Art aus eigener Erfahrung. Der hatte nicht das geringste Interesse, Rebellen in einem anderen Land zu unterstützen, selbst wenn es seine Glaubensbrüder waren.

          Und was geschah mit den Verbündeten?

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