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Der Papst trifft Fidel Castro : Über Gott und die Welt gesprochen

  • -Aktualisiert am

Der Jesuitenschüler und der Papst: Fidel Castro und Benedikt XVI. in Havanna Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. und der frühere kubanische Präsident Fidel Castro führen ein lebhaftes und herzliches Gespräch. Vor allem der „Maximo Lider“ stellt Fragen, der Papst antwortet.

          Zu einem halbstündigen Gespräch hat Papst Benedikt XVI. nach seiner Messe mit 300.000 Gläubigen in Havanna auf dem „Platz der Revolution“ am Mittwochmittag Ortszeit den früheren kubanischen Präsidenten und Revolutionsführer Fidel Castro in der Nuntiatur empfangen. Nach Papstsprecher Pater Federico Lombardi kam es dabei zu einem lebhaften und herzlichen Gespräch, bei dem vor allem der „Maximo Lider“ Fragen stellte und der Papst antwortete. So habe Castro zunächst um Erklärung dafür gebeten, wie es zur Veränderung der Liturgie gekommen sei, die nun ganz anders sei als noch zu seiner Jugendzeit. Bei seiner Rede zum Abschluss seiner Reise am Flughafen geißelte der Papst das amerikanische Embargo und sprach über „von außen auferlegte restriktive wirtschaftliche Maßnahmen, die schwer auf der Bevölkerung lasten“.

          Lombardi blieb gegenüber der Presse die Frage offen, ob Castro mittlerweile wieder Mitglied der katholischen Kirche sei. Castro sei getauft, habe sich aber selbst mit seinen Bekenntnissen zum Materialismus ausgeschlossen; doch bedürfe es keines offiziellen Schritts, wenn sich eine Person im Verlaufe eines Lebens später wieder der Kirche annähere. Castro habe von Benedikt auch wissen wollen. „Was macht eigentlich ein Papst?“

          Schließlich sei es um Fragen der Krise zwischen Wissenschaft und Glauben, Moral und Religion gegangen. Fidel habe den Papst zum Abschluss um einige Bücher gebeten, um weitere Klärungen zu den Themen des Gesprächs zu bekommen. Der Papst werde nun darüber nachdenken, welche Bücher er dem Revolutionsführer zu kommen lasse wolle, sagte Lombardi.

          „Was macht eigentlich ein Papst?“

          Der frühere Jesuitenzögling Fidel, Sohn einer fromm katholischen Mutter, hatte 1996 Papst Johannes Paul II. im Vatikan getroffen und zwei Jahre später in Kuba empfangen. Jetzt sagte er, er habe sich stets die Heiligsprechung von Mutter Teresa und Papst Johannes Paul II. gewünscht.

          Vor der Begegnung war es zu einer Irritation beim Heiligen Stuhl gekommen, nachdem Fidel Castro am späten Dienstag auf seiner Webseite „Cubadebate.cu“ selbst das Treffen mit dem Papst angekündigt hatte. Er tat das wie beiläufig im vorletzten Absatz zu einer Betrachtung über „schwierige Zeiten“ und nannte „Seine Heiligkeit“ den Papst – wie ihn Bruder Raul protokollgemäß genannt hatte – nur „Excellenz“. Gemeinhin gibt zunächst der Heilige Stuhl solche Treffen bekannt, und Lombardi hatte noch wenige Stunden zuvor jede Aussage zu einem geplanten Treffen gemieden.

          Hasta la victoria siempre: Heilige Messe mit Papst Benedikt XVI. auf dem Platz der Revolution

          Zu einem Treffen mit Dissidenten ist es in Kuba nicht gekommen. Dazu sagte Lombardi, es habe die verschiedensten Anfragen der verschiedensten Gruppen gegebenen. Es wäre da nicht leicht gefallen oder sogar falsch gewesen, einer bestimmten Gruppe den Vorrang zu geben. So habe der Papst auch keine bestimmten katholischen Gruppen getroffen, so wichtig manche von ihnen auch sein mögen. Schon in seiner Begrüßungsrede bei der Ankunft auf Kuba hatte der Papst aber deutlich gemacht, dass die Kirche, die die Menschen zum Glauben führen wolle, auch für die Menschenrechte eintrete: Der Glaube, wie er in der Verehrung der Madonna von Cobre zum Ausdruck komme, fördere die „fundamentalen Rechte des Menschen“, hatte der Papst gesagt.

          Darum meinte Sprecher Lombardi: „Wer die Reden des Papstes genau lese, werde sehen, dass er auf den Wunsch eingegangen sei, diese Menschen zu hören.“ Bei seiner letzten Messe auf dem „Platz der Revolution“ zwischen den Bildern von Fidel Castro und Che Guevarra hatte der Papst am Morgen volle Religionsfreiheit gefordert. Erste Schritte seien von Kubas Führung schon getan worden, sagte Benedikt in seiner Predigt. Der Papst predigte: „Das Recht auf die Religionsfreiheit sowohl für den Einzelnen als auch in ihrer auf die Gemeinschaft der Gläubigen bezogenen Dimension bekundet die Einheit der menschlichen Person, die zugleich Staatsbürger und gläubiger Christ ist.“

          Prediger: Papst Benedikt XVI. und Kubas Präsident Raul Castro

          Am Flughafen kritisierte der Papst auch das seit mehr als 50 Jahre geltende amerikanische Embargo gegen Kuba: „Niemand sollte durch die Einschränkung seiner Grundfreiheiten daran gehindert werden, an dieser spannenden Aufgabe teilzunehmen, und keiner fühle sich ausgeschlossen durch Nachlässigkeit oder Mangel an materiellen Ressourcen – eine Situation, die sich verschärft, wenn von außen auferlegte restriktive wirtschaftliche Maßnahmen schwer auf der Bevölkerung lasten.“ Benedikt XVI forderte, „dass im menschlichen, im nationalen und internationalen Zusammenleben unbewegliche Positionen und einseitige Sichtweisen aufgegeben werden, die dazu tendieren, die Verständigung zu erschweren und die Bemühung zur Zusammenarbeit wirkungslos zu machen.“

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