https://www.faz.net/-gpf-72w66

Der Papst in Beirut : Das libanesische Gleichgewicht

  • -Aktualisiert am

Ein libanesischer Priester auf dem Weg zur Messe, die Papst Benedikt am Sonntag an Beiruts „Waterfront“ hält Bild: AFP

Papst Benedikt XVI. beschwört in Beirut den Frieden zwischen den Religionen - und preist den Libanon als Beispiel für den ganzen Nahen Osten. Dabei teilt der sunnitisch-schiitische Riss selbst die Christen im Land.

          4 Min.

          Fadi Elali ist schon am frühen Morgen in Richtung Hauptstadt aufgebrochen. Hoch oben in den Bergen des seit mehr als anderthalbtausend Jahren von Christen besiedelten Libanon-Gebirges wohnt der Mittvierziger, der seine kleine Tochter auf den Schultern trägt. „Schau mal, wie viele Menschen!“, ruft der katholische Maronit ihr zu, während immer neue Gruppen Fahnen schwenkender Gläubiger Richtung Mittelmeerküste strömen. An Beiruts „Waterfront“ hält Papst Benedikt XVI. an diesem Sonntag die Abschlusspredigt seiner Libanon-Reise, und mehr als 300.000 Menschen sind gekommen.

          Für Elali ist es der erste Papstbesuch in seinem Land. Als Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. vor 15 Jahren zum letzten Mal den Libanon besuchte, war er zum Studium in Kanada. Eines habe sich seitdem nicht geändert, sagt der Katholik: „Wenn der islamische Extremismus Überhand gewinnt, werden wieder Tausende das Land verlassen.“ Viele Christen, von denen unzählige neben dem libanesischen einen zweiten Pass besitzen, teilen diese Sorge.

          Die vergangene Woche gab Anlass genug dazu. Die Welle antiwestlicher Proteste, die am Dienstag in Kairo mit einer Demonstration gegen den in den Vereinigten Staaten produzierten Film „Unschuld der Muslime“ begann, griff am Freitag auf den Libanon über. Im mehrheitlich von Sunniten bewohnten Tripoli nahe der syrischen Grenze setzten Randalierer zwei amerikanische Fast-Food-Restaurants in Brand und riefen „Wir wollen den Papst nicht!“. Ein Mensch wurde getötet – einer von dreizehn zwischen Benghasi, Tunis, Khartum und Sanaa. Keine hundert Kilometer südlich der Hafenstadt Tripoli landete fast zur gleichen Zeit Benedikt XVI. auf dem Beiruter Flughafen. Dort empfing ihn das einzige christliche Staatsoberhaupt der arabischen Welt, Libanons Präsident Michel Suleiman.

          Libanons Christen sind gespalten

          Auch der sunnitische Ministerpräsident Nadschib Miqati, der schiitische Parlamentsvorsitzende Nabih Berri, sowie geistliche Führer der 18 offiziell anerkannten Konfessionen des Landes waren auf dem Flughafengelände anwesend. Sie demonstrierten eine Einheit, die im politischen Alltag des einstigen Bürgerkriegslandes selten besteht: Wie im Irak und in Syrien verläuft der sunnitisch-schiitische Riss, der die Region teilt, mitten durch die politische Führung des Landes. Auch Libanons Christen sind deshalb gespalten. Auf der einen Seite gehören sie der von Saudi-Arabien, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union unterstützten, sunnitisch dominierten 14. März-Bewegung an; auf der anderen stehen sie Schulter an Schulter mit der von Iran finanzierten schiitischen Hizbullah, die das so genannte 8. März-Bündnis anführt.

          Die von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführte Parteimiliz konnte sich eine kleine Provokation denn auch nicht verkneifen. „Willkommen im Vaterland des Widerstands“, stand auf Schildern der schiitischen „Partei Gottes“ am Rande der Autobahn zu Beiruts Flughafen, die Benedikt XVI. bei Ankunft und Abreise passierte. Direkt neben den offiziellen Plakaten mit dem riesigen Bild des grüßenden Papstes erinnerte die vor dreißig Jahren von Iran gegründete Organisation so an die anhaltende Besetzung weniger Quadratkilometer libanesischen Landes durch Israel – und an den bewaffneten Kampf der Hizbullah gegen die im Frühjahr 2000 zum Rückzug aus dem Südlibanon gezwungene israelische Armee.

          Weitere Themen

          Söder (sic!)

          Fraktur : Söder (sic!)

          Im Tanzen zeigt sich die Qualität der Akteure auch darin, das jeweilige Gegenüber gut aussehen zu lassen. Aber gilt das auch für den Journalismus?

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.