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Nach Wahlsieg : Der neue rechtspopulistische Star der Niederlande

Wilders? Schießt übers Ziel hinaus, findet Baudet. Bild: AFP

Gegen Europa, Einwanderung und Klimapolitik: Thierry Baudet ist der Gewinner der niederländischen Regionalwahlen. Er inszeniert sich als Bildungsbürger – postet aber auch mal Nacktfotos.

          Mit einem Flügel fing es an. Wenige Wochen nach der Wahl, bei der das rechtspopulistische „Forum für Demokratie“ (FvD) 2017 den Einzug in das niederländische Parlament schaffte, ließ ihr Parteigründer und Frontmann Thierry Baudet das Instrument in sein Abgeordnetenbüro tragen. Kameras verfolgten die Anlieferung, Baudet posierte später liegend darauf. Dass da ein Bildungsbürger, der Brahms spielt und Cicero zitiert, in die Zweite Kammer eingezogen ist, daran ließ er auch bei seiner ersten Rede keinen Zweifel: Baudet hielt sie auf Latein. Hauptsache auffallen, das ist das Prinzip mit dem er dem anderen Rechtspopulisten nacheifert, Geert Wilders und dessen „Partei für die Freiheit“ (PVV).

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Während sich Wilders aber nie für einfache Botschaften zu schade war, spricht Baudet ein jüngeres und gebildeteres Publikum an. In sozialen Medien wie Instagram inszeniert sich Baudet nahbar, veröffentlicht Selfies mit seiner Partnerin oder auch ein Nacktfoto am Swimmingpool. Während Wilders Talkshows und die direkte Auseinandersetzung meidet, wirft sich Baudet immer direkt hinein. Am Montag, als ein Mann in Utrecht mit mutmaßlich terroristischem Motiv in einer Straßenbahn um sich schoss, unterbrachen alle, auch Wilders, den Wahlkampf – Baudet nicht. Am Abend fand eine schon vorher angesetzte Veranstaltung in Scheveningen statt.

          Dort fragte ihn eine Fernsehjournalistin, ob er das Leid für sich nutze. Baudet sagte ruhig, es seien die anderen Parteien, die die „Ursprünge der Tat“ verschwiegen, er vertrete nur seinen Standpunkt. Wie Nachwahlbefragungen zeigten, hat FvD kurz vor der Wahl viele, die vorher Anhänger des christdemokratischen CDA und der rechtsliberalen VVD waren, für sich gewinnen können. Ein Drittel sind jedoch laut Wahlforschungsinstitut Ipsos ehemalige Wilders-Wähler. Der skeptische Einzelgänger Wilders, der formal das einzige Mitglied seiner Partei ist, hat nie kommunale Strukturen geschaffen. Das FvD hat nach eigenen Angaben 30.000 Mitglieder in zwei Jahren aufgenommen, viele sind enttäuschte Funktionäre der Wilders-Partei.

          Einige Wochen vor der Wahl grenzte sich Baudet vom 20 Jahre älteren Wilders ab, dessen „aufrechte Sorgen“ über den Islam schössen oft über das Ziel hinaus, sagte er. Damit dürfte er den Eindruck einiger PVV-Anhänger wiedergegeben haben, denen Wilders’ Hass auf Muslime immer schon seltsam erschien. Baudet hingegen spricht immer wieder davon, dass er für die „offenen, toleranten und demokratischen Niederlande“ stehe. Er geriert sich als die Alternative zur rechtspopulistischen Alternative. Im Wahlprogramm der FvD stehen keine dezidiert rassistischen Positionen; der Elite des Landes, welcher der 36 Jahre alte promovierte Jurist ohne Zweifel angehört, unterstellt er jedoch, das niederländische Volk „homöopathisch verdünnen“ zu wollen. Führt er Zahlen der Statistikbehörde an, mithilfe derer er belegen will, dass das Land in 50 Jahren eine „Art Ägypten“ sein werde, werfen ihm andere Parteien Fake News und Angstmacherei vor. Seine Anhänger stört das aber nicht.

          Korrektur: In einer ursprünglichen Fassung des Artikels stand, die Veranstaltung am Montagabend hätte in Schiphol stattgefunden. Sie fand jedoch in Scheveningen statt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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