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Haitham bin Tariq Al Said : Er hat große Fußstapfen zu füllen

Der neue omanische Monarch Haitham bin Tariq Al Said trägt den Sarg des verstorbenen Sultans Qabus am 11. Januar in Maskat. Bild: EPA

Der verstorbene Sultan Qabus führte Oman in fünf Jahrzehnten zu Wohlstand – und aus der außenpolitischen Isolation. Sein Nachfolger, der frühere Minister für „Erbe und nationale Kultur“, steht vor großen Herausforderungen.

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          Er werde den „noblen Ansatz“ von Sultan Qabus fortsetzen, der für „Entwicklung und Fortschritt stehe“, sagte der neue omanische Monarch Haitham bin Tariq Al Said. Der frühere Minister für „Erbe und nationale Kultur“ war schnell bestimmt worden, nachdem der populäre Sultan Qabus am Freitagabend gestorben war. Laut Presseberichten hatte Qabus selbst diesen Wunsch hinterlassen. Der verstorbene Sultan war nach einer Ehe mit einer Cousine kinderlos geblieben. Offiziell wurde die Ursache seines Todes nicht mitgeteilt, aber Sultan Qabus war an Krebs erkrankt und in den vergangenen Jahren immer wieder zur Behandlung im Ausland.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der neue Sultan hat große Fußstapfen zu füllen: Qabus hatte Oman fast fünf Jahrzehnte lang regiert, seit er 1970 seinen Vater mit britischer Hilfe in einem unblutigen Putsch vom Thron stieß. Er führte das Land im Südosten der Arabischen Halbinsel mit Hilfe der Öleinnahmen aus Armut, Rückständigkeit und der außenpolitischen Isolation.

          Qabus war allgegenwärtig

          Beileidsbekundungen aus aller Welt würdigten das. Die amerikanische Botschaft in Maskat schrieb: „Wir haben einen der größten Führer der Welt verloren – einen Visionär, der für Omans Wohlstand und Fortschritt im vergangenen halben Jahrhundert verantwortlich ist.“ Qabus werde nicht nur von seiner Bevölkerung vermisst werden.

          Viele omanische Bürger haben in ihrem Leben keinen anderen Sultan erlebt als Qabus. Sein Bild und seine Aussprüche waren allgegenwärtig in der Öffentlichkeit. Die Straßen, Hafenanlagen, modernen Einkaufszentren oder das imposante Opernhaus erinnern die Menschen an seine Errungenschaften.

          Qabus hat religiöse Toleranz zur Staatsraison erhoben und sein Land die Offenheit einer alten Seefahrernation leben lassen. Die moderne Nation wurde vor allem mit seiner Person verbunden. In einem auf der Enthüllungsplattform „Wikileaks“ veröffentlichten Drahtbericht amerikanischer Diplomaten hieß es, omanische Gesprächspartner versuchten das Thema der Nachfolge  zu vermeiden – mit dem Ausspruch: „Möge er für immer leben.“

          Qabus führe Oman in die Arabische Liga, das Land war Gründungsmitglied des Golfkooperationsrates (GCC). Er  positionierte Oman als neutrale Macht und als Vermittler in den Konflikten, von denen die Region erschüttert wurde. In diesen Tagen, in denen der Konflikt zwischen Iran und Washington eskaliert, ist die omanische Vermittlungsgabe besonders wichtig. Oman hat gute Beziehungen sowohl zu Teheran und seinen Alliierten, als auch zum Lager um Washington, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

          So erreichte Oman etwa die Freilassung von drei amerikanischen Wanderern, die 2009 in Iran festgesetzt und der Spionage beschuldigt worden waren. Die Führung in Maskat vermittelte auch in den Verhandlungen über das Atomabkommen mit Teheran oder im Jemen-Konflikt. 

          Hart erkämpfte Neutralität

          Seine Neutralität musste sich das Sultanat zum Teil hart erkämpfen. Omanische Beobachter klagten bisweilen über den Druck der mächtigen Nachbarn – etwa mit Blick auf den Jemen – auf ihre Linie zu schwenken. Die Spekulationen der vergangenen Jahre über die Qabus-Nachfolge waren auch mit der Frage verbunden gewesen, ob künftig ein Mann Abu Dhabis, Riads oder Teherans in Maskat herrsche. Von westlichen Diplomaten hieß es über den neuen Sultan Haitham bin Tariq Al Said, er habe kein klares außenpolitisches Profil.

          Auch im Inneren steht Oman, das mit harter Hand regiert wird, vor wichtigen Herausforderungen. Der sinkende Ölpreis setzt der omanischen Wirtschaft und den Reserven der Zentralbank zu. Und bei aller Dankbarkeit gibt es auch Unzufriedenheit. Im Zuge der Arabellion von 2011 gab es auch in Oman Proteste, die sich allerdings nicht gegen den Monarchen richteten, sondern Ausdruck sozioökonomischen Frusts waren.

          Ein kritischer Geist beklagte sich vor einigen Jahren, dass die Führung bei Themen, die sie für heikel halte, kaum öffentliche Debatten zulasse. „Es ist so, als wolle der Vater seinem Sohn nicht erklären, was er tut, weil es doch zu seinem Besten ist.“ Und das sei deshalb so verwunderlich, weil diese Führung so große Errungenschaften und Erfolge vorzuweisen habe.

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