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Konflikt um Kaschmir : Der schwere Geburtsfehler

Indische Soldaten patrouillieren an der „Kontrolllinie“ zu Pakistan. Bild: AP

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan ist schon im Gründungsdokument beider Staaten angelegt. Seit mehr als 70 Jahren hat sich der Streit – vor allem in und um Kaschmir – nicht lösen lassen.

          Es gibt Menschen, die halten die Teilung dessen, was bis 1947 Britisch-Indien hieß, für einen historischen Fehler. Die durch den Zweiten Weltkrieg erschöpfte Kolonialmacht gab aber dem lautstark geäußerten Verlangen vor allem des muslimischen Bevölkerungsteils nach. Dieser verlangte einen eigenen Staat für die  Muslime des Subkontinents. Da sich aber zu keiner Zeit säuberlich muslimisches Siedlungsgebiet von dem anderer Glaubensrichtungen trennen ließ, war der Konflikt der heutigen Atommächte im Teilungsvertrag angelegt.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Der Streit konzentrierte sich von Anfang an auf Kaschmir. Dessen Herrscher entschied sich für eine Mitgliedschaft seines Territoriums in der Indischen Union. Da im Land aber eine muslimische Mehrheit lebte und lebt, brach sofort der erste Krieg zwischen den neuen Staaten aus.

          Die Grenze innerhalb Kaschmirs wird bis heute lediglich als „Kontrolllinie“ bezeichnet, d.h. sie gilt als provisorische Trennlinie innerhalb eines eigentlich zusammen gehörenden Landes. An diesem Zustand haben auch mehrere Kriege nichts geändert.

          Kaschmir bzw. der Bundesstaat Jammu und Kaschmir ist der einzige Teilstaat Indiens mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Die Bevölkerung ist gespalten. Viele möchten eine Vereinigung mit dem pakistanischen Teil, also eine Vergrößerung Pakistans. Andere können sich ein unabhängiges Kaschmir vorstellen. Den indischen Sicherheitskräften werden immer wieder Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, was auch nicht zur Popularität des Lebens innerhalb Indiens beiträgt.

          Das objektiv vorhandene Unruhepotential wird aus Pakistan geschürt. Militante vieler Schattierungen finden auf pakistanischem Gebiet Rückzugsorte. Teile des pakistanischen Sicherheitsapparates halten ihre schützende Hand über diese Leute – auch mit dem Ziel, den islamistischen Furor in einer sowieso unruhigen Gesellschaft auf den äußeren Feind Indien zu lenken.

          Zu ihren Atomwaffen sind beide Länder unter Umgehung des Nichtverbreitungsvertrages gekommen. Indien und Pakistan gelten heute als de facto-Atommächte, womit der Rest der Welt die Hoffnung verbindet, dass sich beide Regierungen hinreichend rational verhalten, damit die nukleare Katastrophe nicht eintritt.

          Eine abschreckende Wirkung in dem Sinne, dass Ruhe herrscht zwischen Indien und Pakistan haben die Atomwaffen freilich nicht entfalten können. Vielmehr testen beide Seiten immer wieder aus, wie weit sie bei der Verfolgung ihrer gegensätzlichen Ziele gehen können. Wenn dann noch, wie zur Zeit in Indien, Wahlkampf herrscht, trägt das nicht zur Beruhigung bei.

          Die indische Regierung sagt zur Rechtfertigung, sie reagiere nur auf die vielen Terroranschläge, die mit Hilfe Pakistans verübt würden. Pakistan bestreitet regelmäßig jede Verantwortung und fühlt sich seinerseits berechtigt, „Vergeltung“ zu üben. Wann und wo die Eskalationsschraube angehalten werden kann, steht dahin.

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