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Opfer des „Islamischen Staats“ : Verschleppt und vergessen

  • -Aktualisiert am

Gedenken an die getöteten und entführten Jesiden in Lalish im Nordirak. Bild: Getty

Der „Islamische Staat“ ist geschwächt, hat aber weiterhin jesidische Frauen in seiner Gewalt. Manche können freigekauft werden. Es gibt aber auch diejenigen, die aus anderen Gründen nicht zurückkehren.

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          Nadia Murad will keine weiteren Sympathiebekundungen, sie will Taten sehen. Das machte die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin deutlich, als sie am Montag offiziell in Oslo ihre Auszeichnung entgegennahm. Die Jesidin, die im Sommer 2014 von Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) im Nordirak entführt und wie etwa 6500 weitere Frauen und Mädchen versklavt, vergewaltigt und verkauft wurde, spricht damit an, dass bis heute immer noch viel zu wenige Täter zur Rechenschaft gezogen worden sind. Und dass es nach wie vor Frauen und Kinder gibt, die in der Gefangenschaft der Dschihadisten leben. Von 3000 geht etwa die internationale Jesiden-Organisation Yazda mit Sitz in den Vereinigten Staaten aus.

          Über ihr Schicksal redet kaum noch jemand, ebenso wenig über das der Frauen, die dem IS-Martyrium zwar entkommen sind, seitdem aber bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse wenig unterstützt werden. Zwar hat das Land Baden–Württemberg mit einem beispiellosen Schutzprojekt über 1100 Frauen und Mädchen nach Deutschland geholt, um sie medizinisch und psychotherapeutisch zu betreuen. Auch hilft die Bundesregierung vor Ort, etwa mit einem Frauenbegegnungs- und Gesundheitszentrum. Viele jesidische IS-Opfer aber fühlen sich in den trostlosen Flüchtlingslagern im Stich gelassen. Sie können nicht nach Hause zurückkehren, weil der Wiederaufbau ihrer Städte und Dörfer kaum vorangeht – oder sie sich vor der Rückkehr ihrer Peiniger fürchten.

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