https://www.faz.net/-gpf-8j1oe

Terror in Saudi-Arabien : Nicht einmal das Grab des Propheten ist dem IS heilig

Frevelhaft: Der Anschlag auf die Prophetenmoschee in Medina am Montag Bild: dpa

Der „Islamische Staat“ erklärt nun auch Saudi-Arabien den Krieg. Mit dem Anschlag auf die Prophetenmoschee kehrt er zu den Wurzeln des wahhabitischen Islams zurück.

          6 Min.

          Die Terrorserie am vorletzten Tag des Fastenmonats Ramadan enthält das Programm des „Islamischen Staats“. An einem Tag griffen Attentäter das amerikanische Generalkonsulat in der saudischen Hafenstadt Dschidda an, eine schiitische Moschee in Qatif im Osten des Landes und danach die Prophetenmoschee in Medina. Die Ziele stehen für die Hauptfeinde der Terrororganisation: die Vereinigten Staaten in Vertretung für die westliche Welt, die schiitischen Muslime und die religiöse Praxis der meisten sunnitischen Muslime. Denn die Ideologie des IS lehnt den Bau von Moscheen über Gräbern ab.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die große Kriegserklärung gilt jedoch dem Königreich Saudi-Arabien. Bereits in den ersten Ausgaben des IS-Propagandamagazins „Dabiq“ hatte die Destabilisierung und Eroberung von Saudi-Arabien einen breiten Raum eingenommen. Da sich die Terrororganisation den Namen „Islamischer Staat“ gab und sich ihr Anführer Kalif, Oberhaupt aller Muslime, nennen lässt, strebt sie nach der Herrschaft über die Heiligen Stätten des Islams, Mekka und Medina. Die Ideologie des IS ist auch deswegen nicht mit dem Staat Saudi-Arabien vereinbar, weil der IS ein Königreich als unislamisch ablehnt.

          2500 Saudis beim IS

          Der IS ist damit für Saudi-Arabien eine existentielle Gefahr. Aus keinem arabischen Land sind mehr Kämpfer für den IS nach Syrien und in den Irak aufgebrochen, als aus Saudi-Arabien. Mindestens 2500 Saudis haben sich dort dem IS angeschlossen. Ein Gesetz stellt in Saudi-Arabien die Mitgliedschaft im IS unter Strafe. Dennoch bilden sich im Untergrund Zellen. Wer als Rückkehrer oder Sympathisant des IS verdächtigt wird, wird gnadenlos verfolgt. In der saudischen Führung teilen sich die beiden Kronprinzen die beiden wichtigsten Aufgaben: Der erste Kronprinz, Muhammad Bin Nayef, ist als Innenminister für die innere Sicherheit und die Bekämpfung des Terrors verantwortlich, der zweite Kronprinz, Muhammad Bin Salman, für die großen anstehenden Wirtschaftsreformen.

          Bei dem ersten Anschlag, der sich in Dschidda gegen das festungsartig gesicherte amerikanische Generalkonsulat gerichtet hatte, waren zwei Wachleute verwundet worden, der Selbstmordattentäter sprengte sich selbst in die Luft. Die Vereinigten Staaten verkörpern für die Dschihadisten den „fernen Feind“.

          Wenige Stunden später handelte ein weiterer Selbstmordattentäter nach dem gleichen Muster, als er in Qatif, im Osten Saudi-Arabiens, nahe einer schiitischen Moschee den Sprengstoffgürtel auslöste. Da die Betenden die Moschee bereits zum Fastenbrechen verlassen hatten, wurde außer ihm niemand getötet, niemand wurde verletzt. Dieser Anschlag galt einem „nahen Feind“, den Schiiten.

          Verstoß gegen den Monotheismus

          Die Ideologie des IS verabscheut sie noch mehr als die Christen und die Juden. Denn die vom originären wahhabitischen Islam inspirierten Ideologen des IS denunzieren die schiitischen Muslime als „Polytheisten“, als „mushrikin“ oder „Beigeseller“. Denn sie sollen Ali, den Schwiegersohn des Propheten, und dessen elf Nachfolger, also die 12 Imame, als nahezu göttlich verehren. Das sei aber ein Verstoß gegen das strenge islamische Gebot des Monotheismus, den tauhid.

          Weitere Themen

          „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          Neue Proteste in Amerika : „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          In Amerika gehen die Proteste mit unverminderter Kraft weiter. Drei frühere Verteidigungsminister sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere stellen sich derweil in einem Gastbeitrag gegen Trumps Militär-Drohung.

          Gemeinsam gegen Rassismus

          Solidarität mit George Floyd : Gemeinsam gegen Rassismus

          In Deutschland protestieren Zehntausende in vielen Städten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Allein in München gehen mehr als 25.000 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Ländern kommt es zu Protesten – entgegen der Empfehlung der Behörden.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.