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Terror in Saudi-Arabien : Nicht einmal das Grab des Propheten ist dem IS heilig

Daher haben sich seit 2014 die meisten Terroranschläge des IS auf saudischem Boden gegen Moscheen der Schiiten in der ölreichen Ostprovinz Saudi-Arabiens gerichtet, wo die Schiiten eine Mehrheit stellen. Zuletzt hatten im Januar jedoch Betende einen Attentäter in al Ahsa überwältigt, der in der Moschee schießen wollte. Im vergangenen Oktober hatte ein Bewaffneter fünf Moscheebesucher erschossen, bevor er getötet wurde. Am 7. August 2015 verschaffte sich ein Selbstmordattentäter des IS in Abha, nahe der Grenze zu Jemen, Zugang zu einem Militärkomplex und sprengte sich dort in die Luft. Nach diesem Terroranschlag, bei dem 15 Militärangehörige getötet wurden, hat Saudi-Arabien seinen Kampf gegen den IS ausgeweitet.

Ein Schock war nun für die muslimische Welt, als ein Selbstmordattentäter sich in Medina vor der Prophetenmoschee, dem zweitheiligsten Ort des Islams, in die Luft gesprengt und dabei vier Sicherheitsleute getötet und fünf weitere verletzt hat. Er hatte sich von einem der vielen Parkplätze um den weitläufigen und gut gesicherten Komplex genähert. Augenzeugen zufolge habe er dem Sicherheitspersonal an einem Kontrollpunkt angeboten, mit ihnen das Fasten zu brechen. Als sie misstrauisch geworden seien, habe der Angreifer den Sprengstoffgürtel gezündet.

Muhammad und direkte Nachfolger in Prophetenmoschee begraben

Die saudischen Behörden identifizierten den Attentäter als einen pakistanischen Staatsbürger, der seit 12 Jahren in Saudi-Arabien gelebt und als Fahrer gearbeitet habe. Wenig später betete der Gouverneur der Provinz, Faisal Bin Salman Al Saud, ein Sohn des Königs, in der Prophetenmoschee, um den mehreren zehntausend muslimischen Gläubigen, die sich in der Moschee aufgehalten haben, ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

In der Prophetenmoschee sind der im Jahr 632 verstorbene Muhammad sowie seine zwei direkten Nachfolger, die Kalifen Abu Bakr und Omar, bestattet. In unmittelbarer Nähe befindet sich der al Baqi genannte Friedhof, auf dem zahlreiche Gefährten Muhammads begraben liegen. Das Grab Muhammads wurde bereits im siebten Jahrhundert überbaut, und auch auf dem Friedhof Baqi entstanden in der Folge zahlreiche Kuppelbauten.

In Frage gestellt wurde diese Überbauung der Gräber erst vom späten 18. Jahrhundert, als in Zentralarabien der Reformtheologie Muhammad Ibn Abdalwahhab (1703 bis 1792) eine puritanische Auslegung des Islams entwickelt hat. Sie konnte sich auf der Arabischen Halbinsel durchsetzen, weil dieser Ibn Abdalwahhab eine Allianz mit dem noch unbedeutenden Haus Al Saud, einging. Dabei legitimierte Ibn Abdalwahhab die politische Herrschaft des Hauses Al Saud, das im Gegenzug das neue Islamverständnis von Ibn Abdalwahhab verbreitete. Dessen Anhänger nannten sich „die strengen Monotheisten“, al Muwahiddun. Durchgesetzt hat sich für sie jedoch, in Anlehung an ihren Gründer, der Begriff Wahhabiten.

Einen bedingungslosen Monotheismus herstellen

Die heutigen Dschihadisten des IS kehren zur ursprünglichen Lehre des Ibn Abdalwahhab zurück. Der hatte im 18. Jahrhundert beklagt, dass sich die Bewohner der Arabischen Halbinsel von der ursprünglichen Reinheit ihrer Religion weit entfernt hätten, er forderte eine umfassende Reform des Islams. Er wollte einen bedingungslosen Monotheismus, den „tauhid“, herstellen.

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