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Streit um Impfdosen : Sebastian Kurz spielt mit der EU

  • -Aktualisiert am

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz Bild: dpa

Die österreichische Beschwerde über die Verteilung von Impfstoffen überzeugt nicht. Mit einer Blockade würde das Land nur sich selbst schaden.

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          Ein Grund, warum die EU mit der Beschaffung von Impfstoff betraut wurde, war, dass damit ein Verteilungskampf in Europa vermieden werden sollte. Zumindest im Fall Österreichs hat das nicht geklappt. Kanzler Kurz ist den anderen Mitgliedstaaten schon auf dem jüngsten Gipfeltreffen mit dem Streit über zehn Millionen Impfdosen auf die Nerven gegangen, die demnächst an die EU geliefert werden.

          Früher hätte man gefragt, ob Europa nicht größere Probleme hat. Heute muss man leider sagen, dass die Größe des Problems, das die EU mit Impfstoffen hat, darin zum Ausdruck kommt, dass sich 27 Staats- und Regierungschefs über eine relativ kleine Liefermenge in die Haare bekommen.

          In der Sache wirkt die österreichische Position wenig überzeugend. Das Land ist überdurchschnittlich gut geimpft, und es saß bei allen Verhandlungen mit am Tisch. Es spricht einiges für die Brüsseler Lesart, dass Kurz davon ablenken will, dass er nicht zugriff, als in der EU kürzlich Dosen verteilt wurden.

          Aber eigene Versäumnisse haben noch wenige Politiker davon abgehalten, auf Brüssel zu schimpfen, wenn ein Punktgewinn beim heimischen Publikum winkte. Welches Spiel Kurz spielt, lässt sich an seiner (nicht praktikablen) Drohung ablesen, eine weitere gemeinsame Bestellung der EU zu blockieren. Was Österreich da verlieren würde, könnte es nicht mal mit der Bestellung aus Russland ausgleichen, über die es derzeit verhandelt.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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