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Zu 23 Jahren Haft verurteilt : Der Fall Weinstein ist ein Fanal

Harvey Weinstein im Januar in einem Gerichtsgebäude in Manhattan, New York Bild: dpa

Weinsteins Fall hat erfreulicherweise weltweit Machtmissbrauch aufgedeckt, aber mitunter auch die Unschuldsvermutung ramponiert. Es ist zu hoffen, dass sich mit der Verurteilung die Wogen glätten.

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          Der Fall Weinstein ist zweifellos ein Fanal. Aber man sollte schon die persönliche Schuld des jetzt zu 23 Jahren Haft Verurteilten und die Weiterungen auseinanderhalten, die das Verfahren nach sich zog.

          Weinstein ist wegen schwerer Sexualdelikte für schuldig befunden worden. Sein Fall hat dazu beigetragen, auf der ganzen Welt Straftaten und Machtmissbrauch nicht nur im Filmgeschäft aufzudecken, er hat zu anderem Verhalten, veränderten Strukturen und einer neuen Sensibilität geführt. Er hat deutlich gemacht, wie insbesondere Künstlerinnen in einem Gewerbe ohne Festanstellungen und mit großen Abhängigkeiten schamlos ausgenutzt wurden und zum Teil leider immer noch werden.

          Zugleich schlug das „MeToo“-Pendel auch in die andere Richtung aus. Da wurden Anschuldigungen gleich für bare Münze genommen und so getan, als müsse der Verdächtige seine Unschuld beweisen. Und es ist auch nicht so, als ob es ein Dunkelfeld nur auf der einen Seite gäbe: Zweifellos sind Taten nie vor Gericht gelandet, weil die Täter zu mächtig waren oder die Opfer eingeschüchtert wurden.

          Mancher wurde aber auch ins Blaue hinein beschuldigt. Und in einem aufgeheizten Umfeld kann schon das den sozialen Tod bedeuten. Es wäre gut, wenn sich mit der noch nicht rechtskräftigen Verurteilung Weinsteins die Wogen insgesamt etwas glätten würden – mit der Aussicht auf eine in jeder Hinsicht missbrauchsfreie Arbeitswelt.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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