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Der Fall Trayvon Martin : Ein Toter, ein Täter und viele Fragen

  • -Aktualisiert am

Ein Jugendlicher in Florida bei einem Gedenkmarsch für Trayvon Martin in Atlanta. Der im Februar erschossene Martin wurde mit einer Packung Skittles am Tatort gefunden Bild: AFP

Der Fall des in Florida von einem Weißen erschossenen schwarzen Jugendlichen bewegt die Vereinigten Staaten. Die Frage, ob Rassismus oder Notwehr der Grund war, spaltet die Nation.

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          Sybrina Fulton und Tracy Martin sind seit gut einer Woche in Washington präsent - als maßgebliche Stimmen in der jüngsten nationalen Debatte über rassistische Vorurteile, Gewaltverbrechen und Waffengesetze. Am Dienstag waren sie nicht nur im übertragenen Sinn in Washington, sonder nahmen im Kapitol an einer Anhörung des Justizausschusses des Repräsentantenhauses teil: über rassistische Vorurteile, Gewaltverbrechen und Waffengesetze. Die Anhörung sollte zur Aufklärung der Hintergründe des Todes ihres Sohnes Trayvon Martin beitragen. Beantragt hatte die Anhörung die demokratische Abgeordnete Federica Wilson aus Florida. Zu ihrem Wahlbezirk gehört das historische Kerngebiet schwarzer Siedlungsgebiete in Südflorida.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Städtchen Sanford, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Orlando in Zentralflorida gelegen, gehört nicht zu ihrem Wahlkreis. Aber Trayvon Martin, der 17 Jahre alte Schüler, der am 26. Februar in der Siedlung „The Retreat at Twin Lakes“ in Sanford erschossen wurde, ging zuletzt in Federica Wilsons Wahlkreis im Norden von Miami zur Schule. An jenem Sonntagabend Ende Februar war er bei einem Freund seines Vaters in Sanford, weil er wegen Spuren von Marihuana in seiner Schultasche von der Schule in Miami suspendiert worden war. Ob es sich bei der Bluttat um einen tragischen Unfall, Notwehr oder um ein rassistisch motiviertes Hassverbrechen handelt, ist Gegenstand einer erhitzten nationalen Debatte, die fast täglich von neuen Enthüllungen, Einlassungen und Einschätzungen vorangetrieben wird.

          „Ein wirklich verdächtiger Typ“

          Am Abend des 26. Februar war Trayvon Martin zu Fuß unterwegs, obwohl man sich zu dieser Tageszeit und bei Nieselregen in der privaten Siedlung „The Retreat at Twin Lakes“ allenfalls mit dem Auto bewegt. Er befand sich auf dem Rückweg zum Haus des Freundes seines Vaters. In einer nahegelegenen Tankstelle hatte er eine Packung „Skittles“-Kaubonbons und einen Becher Eistee gekauft. Um sich gegen den Regen zu schützen, hatte Trayvon Martin die Kapuze seines Kapuzenpullovers auf den Kopf gezogen.

          Das alles kam George Zimmerman verdächtig vor. Der 28 Jahre alte Zimmerman, Sohn eines weißen Amerikaners und einer hispanischen Mutter, ist Angehöriger einer Art Bürgerwehr in der Siedlung - manche sagen, Zimmerman sei der einzige Angehörige dieser Bürgerwehr. Jedenfalls hat er eine Waffe und den erforderlichen Waffenschein dazu. Mit seinem Privatwagen patrouilliert er oft durch die Siedlung, und mehr als einmal hat er die Polizei wegen mancherlei verdächtigen Vorfällen benachrichtigt, etwa wenn mitten in der Nacht eine Garage oder eine Haustür offensteht. Wie es heißt, hat Zimmerman schon oft falschen Alarm ausgelöst.

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          Auch am Abend des 26. Februar ist Zimmerman auf Patrouille, schöpft Verdacht und ruft die Notrufnummer 911 an. Er will „einen wirklich verdächtigen Typen“ erspäht haben, „der etwas im Schild führt oder auf Drogen ist oder sowas“. Zimmerman missachtet die Aufforderung der Notrufzentrale, den Verdächtigen nicht zu verfolgen, und fährt in seinem Auto hinter Trayvon Martin her. Irgendwann steigt Zimmerman aus und stellt den Jugendlichen zur Rede. Was anschließend geschieht, ist unklar. Kommt es zu einem Schreiduell, zu einem Handgemenge, gar zu einem Faustkampf zwischen den beiden? Klar ist nur, dass irgendwann ein Schuss aus George Zimmermans Waffe fällt und Trayvon Martin in die Brust trifft. Der Jugendliche stirbt noch an Ort und Stelle. Zimmerman wird von der Polizei vernommen, jedoch nicht verhaftet. Er sagt, er habe in Notwehr gehandelt, nachdem er von Martin angegriffen worden sei. Bis heute ist Zimmerman auf freiem Fuß.

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