https://www.faz.net/-gpf-9sai4

Der Fall Caruana Galizia : Ein Mord auf der sauberen Insel

Gedenkveranstaltung am zweiten Todestag der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia Bild: Reuters

Vor zwei Jahren wurde die bekannteste Journalistin Maltas getötet. Doch an einer Aufklärung des Falls zeigen Politik und Justiz wenig Interesse.

          3 Min.

           Auch in dieser Nacht hat „Sauberes Malta“ ganze Arbeit geleistet. Wenn die Leute des für Müllabfuhr und Straßenreinigung zuständigen Unternehmens gegen Mitternacht durch die Straße der Republik im Herzen der Altstadt von Valletta ziehen, dann werden die soeben geleerten Mülleimer zusätzlich mit einer Reinigungsflüssigkeit abgespritzt. Auch der Sockel und die Blumenrabatte des Denkmals für die Opfer des Kampfes gegen die türkischen Belagerer Maltas von 1565 erfahren eine gründliche Reinigung. Die dort abgelegten Blumensträuße und Totenlichter werden abgeräumt. Auch die angehefteten Fotos der am 16. Oktober 2017 ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia sowie Handzettel mit der Forderung nach Gerechtigkeit und dem Aufruf zu einem Gedenkmarsch am Abend für die bekannteste Journalistin Maltas werden entfernt und fortgeschafft.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nicht entfernen können die Männer von „Clean Malta“ die vielen kleinen Vorhängeschlösser, die am Stahlgeländer um das Denkmal angeschlossen wurden. Auf den meisten steht nur der Name „Daphne“, mitunter auch „Gerechtigkeit für Daphne“ oder „Daphne lebt“. Am Mittwoch vor zwei Jahren starb die damals 53 Jahre alte Journalistin und Bloggerin. Mit ihrem Wagen war sie gerade von ihrem Haus in dem Städtchen Bidnija, wo Daphne Caruana Galizia mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen lebte, in Richtung Valletta losgefahren, als kurz vor 15 Uhr eine Bombe das Auto zerriss. Durch die Wucht der Explosion wurde der Wagen auf ein Feld geschleudert, wo er ausbrannte.

          „Überall sind Gauner“

          Matthew Caruana Galizia, der älteste der drei Brüder, hatte die Detonation im Haus der Familie gehört und war als einer der ersten am Tatort. Es habe ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld, erinnert er sich: „Überall Stücke von menschlichem Fleisch, überall Feuer. Sogar die Straße hat gebrannt.“ Über mehr als ein Jahrzehnt hatte Caruana Galizia auf ihrem populären Blog „Running Commentary“ Nepotismus und Korruption in Maltas Politik und Wirtschaft angeprangert. Zuletzt hatte sie ausführlich aus den Enthüllungen der „Panama Papers“ schöpfen können. Die beiden Schlusssätze ihres letzten Blogeintrags, wenige Minuten vor ihrer Ermordung verfasst, sind zu einer Art Leitspruch der Anhänger der ermordeten Journalistin geworden: „Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos.“

          Auch der Umstand, dass die Aufklärung der Bluttat nach zwei Jahren kaum vorangekommen ist, gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Es ist ein absurdes, zugleich beklemmendes Ritual, das sich Tag um Tag am Denkmal für die Helden des Widerstands gegen die osmanischen Belagerer von 1565 vollzieht: Angehörige und Anhänger von Daphne Caruana Galizia machen jeden Vormittag die Bronzestatue gegenüber dem Gerichtsgebäude mit Blumen und Kerzen und Fotos der Ermordeten zu einem informellen Mahnmal. Und nachts säubern die Männer von „Clean Malta“ den Ort und die Erinnerung.

          Weitere Themen

          Kramp-Karrenbauer stellt Machtfrage Video-Seite öffnen

          Tritt sie zurück? : Kramp-Karrenbauer stellt Machtfrage

          Zum Auftakt des CDU-Parteitages in Leipzig hielt die Vorsitzende eine kämpferische Rede. Von einer Spaltung der Partei, gar von einer Revolution, will sie nichts wissen.

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

          Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
          Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

          Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

          Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.