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Glenn Beck : Der Erlöste

  • -Aktualisiert am

Bild: David E. Smith

Können Sie sich vorstellen, dass Anne Will oder Peter Hahne oder gar Peter Kloeppel zur Großdemonstration am Brandenburger Tor in Berlin aufrufen? In den Vereinigten Staaten ist das möglich: Ein Fernsehmoderator macht Politik. Glenn Beck will Amerika zur Umkehr bewegen

          Können Sie sich vorstellen, dass Anne Will oder Peter Hahne oder gar Peter Kloeppel zur Großdemonstration am Brandenburger Tor in Berlin aufrufen? Und dass dann Zehn- oder Hunderttausende kommen und die Straße des 17. Juni bis zum Großen Stern und darüber hinaus füllen? Wohl kaum. Aber in Amerika gibt es vieles, was wir uns in Deutschland nicht vorstellen können, in Washington ist es zu einem solchen Ereignis gekommen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Aufgerufen zu der Kundgebung zur „Wiederherstellung der Ehre“ Amerikas hatte Glenn Beck, und es kamen Zehn- oder gar Hunderttausende. Bis heute wird heftig darüber gestritten, wie viele Demonstranten sich am Samstag vor einer Woche am Fuße des Lincoln Memorials auf der National Mall versammelten. Waren es 300 000 bis 500 000, wie Beck später in der Polit-Show „Glenn Beck“ bei seinem Haussender Fox News behauptete? Oder waren es knapp 90.000, wie der Fernsehsender CBS nach der Auswertung von Luftaufnahmen schätzte? Jedenfalls waren es viele, sehr viele Menschen. Die meisten waren mit Bussen angereist, viele waren tage- und nächtelang unterwegs.

          Man kann Moderatoren von Nachrichten und politischen Talk-Shows bei ARD, ZDF oder RTL nicht mit den „Anchors“ amerikanischer Fernsehstationen vergleichen. Die Anker-Männer und -Frauen in Amerika sind eine Mischung aus Nachrichtensprecher, Showstar, Sachbuchautor, Polit-Clown und moralischer Instanz - mit jeweils unterschiedlichem Anteil der Zutaten.

          Glenn Beck: Protest gegen Werteverfall und Gottlosigkeit

          Sie sind Berühmtheiten mit fetten Gehältern. Sie werden in Klatschblättern porträtiert, sind Gegenstand wütender Debatten in Blogs und gehen am Ende manchmal selbst in die Politik.

          Der unangefochtene Quotenkönig in Amerika

          Wahrscheinlich ist Glenn Beck von Fox News derzeit der einflussreichste „Anchor“ im amerikanischen Fernsehen. In jedem Fall ist er der amtierende Aufsteiger. Seit Jahr und Tag ist der konservative Nachrichtensender aus dem Hause „News Corporation“ des australisch-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch der unangefochtene Quotenkönig in Amerika.

          Bei den durchschnittlichen Zuschauerzahlen belegen die täglichen Polit-Shows auf Fox News derzeit die ersten zwölf Plätze. Von morgens früh bis abends spät schauen mehr Menschen Fox News als die anderen Kabelsender CNN, MSNBC und Headline News zusammengenommen. Glenn Beck, der 2006 überhaupt erst zum Fernsehen kam, ist seit Oktober 2008 bei Fox News und bekam im Januar 2009 seine eigene tägliche Newsshow. Im Schnitt verfolgen zwei Millionen Zuschauer „Glenn Beck“, ausgestrahlt um 17 Uhr.

          Becks Jahreseinkommen wird auf 32 Millionen Dollar geschätzt. Dazu trägt sein Zwei-Millionen-Salär bei Fox News nur einen kleinen Teil bei. Die übrigen Einkünfte erzielt er mit seiner dreistündigen täglichen Radioshow „The Glenn Beck Program“, die auf 300 Lokalsendern von Premiere Radio Networks ausgestrahlt wird, mit dem Verkauf seiner zahlreichen Bestseller-Bücher - zuletzt ein Science-Fiction-Roman - sowie mit Redeauftritten und dem Verkauf von Fan-Artikeln.

          „Die Bürgerrechtsbewegung zurückerobern“

          Die Massendemonstration in der Hauptstadt war der vorläufige Höhepunkt der Karriere von Glenn Beck, der 1964 in Mount Vernon im Bundesstaat Washington an der Pazifikküste geboren wurde. Mit der Kundgebung sollte „die Bürgerrechtsbewegung zurückerobert“ werden, und zwar von den Linken um Präsident Barack Obama, den politisch und auch persönlich anzugreifen Glenn Beck nimmer müde wird.

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