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Entlassener Kardinal wehrt sich : „Warum tust Du mir das an?“

Kardinal Angelo Becciu, der frühere Präfekt der Heiligsprechungskongregation am Freitag in Rom Bild: Reuters

Weil er offenbar mit Geld aus dem Vatikan Unternehmen seiner Brüder begünstigt haben soll, hat Papst Franziskus den italienischen Kurienkardinal Angelo Becciu entlassen. Becciu sagt, er habe keinen Euro gestohlen.

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          Sein selbst auferlegtes „Schweigegelübde“ brach Kurienkardinal Angelo Becciu schon nach einem Tag. Am Donnerstagabend hatte das Presseamt des Heiligen Stuhls in einem einzigen Satz den Rücktritt des Präfekten der Heiligsprechungskongregation bekanntgegeben; zugleich, so hieß es weiter, habe Becciu auf „die Rechte im Zusammenhang mit seinen Kardinalswürden“ verzichtet. Auf eine erste Anfrage einer Nachrichtenagentur nach dem Grund für seine überraschende Demission hatte Becciu noch am späten Abend geantwortet: „Ich ziehe es vor zu schweigen.“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Freitag schüttete der 72 Jahre alte Kirchenmann aus Sassari auf Sardinien sein Herz dann doch ausgiebig aus. In einem Gespräch mit der Tageszeitung „Domani“ sagte Becciu, Papst Franziskus habe ihn rausgeworfen. Er sei von Franziskus herbeizitiert worden, worauf dieser ihm eröffnet habe, „dass ich meine Brüder und ihre Unternehmen mit dem Geld des Staatssekretariats begünstigt haben soll“. Doch an den Geldflüssen sei nichts illegal, nicht einmal unstatthaft gewesen. Alles sei ordnungsgemäß abgerechnet worden.

          „Ich habe nicht einen Euro gestohlen“, versicherte Becciu im Gespräch mit „Domani“ und fügte hinzu: „Ich sagte zum Papst: ,Warum tust du mir das an? Vor den Augen der ganzen Welt?‘“ Nach Informationen der Wochenzeitung „L’Espresso“ sollen an Unternehmen und karitative Einrichtungen, die von Beccius Brüdern betrieben wurden, in den Jahren 2013 bis 2015 rund 600.000 Euro geflossen sein. Der Kardinal bestätigte im Gespräch mit der Zeitung die Geschäfte, dabei habe es sich um Aufträge zur Erneuerung der Fenster an den Nuntiaturen in Ägypten und auf Kuba durch die Schreinerei seines Bruders Francesco sowie um Zuwendungen des Staatssekretariats an eine von der Caritas überwachte Lebensmittel-Kooperative seines Bruders Tonino auf Sardinien gehandelt.

          „Über alles wurde Rechenschaft abgelegt und Buch geführt. Was ist daran falsch?“, entrüstete sich der entlassene Präfekt. Für den promovierten Kirchenrechtler endet nach 36 Jahren Kuriendienst abrupt eine glänzende Karriere, zumal im Staatssekretariat. Als Diplomat des Heiligen Stuhls war Becciu in verschiedenen Funktionen in afrikanischen und europäischen Staaten sowie in Neuseeland und in den Vereinigten Staaten tätig, als Nuntius schließlich in Angola und auf Kuba.

          Im Mai 2011 ernannte Papst Benedikt XVI. Becciu zum Substituten im Staatssekretariat. Franziskus bestätigte nach seiner Papstwahl vom März 2013 Becciu in dem Amt, das mit dem eines Stabs- oder Kabinettschef in einer weltlichen Regierung zu vergleichen ist und einer der einflussreichsten Posten im Vatikan ist. 2018 wurde Becciu dann von Papst aus dem vatikanischen Machtzentrum weggelobt und zum Präfekten der Heiligsprechungskongregation ernannt, ein unbedeutendes Amt, das aber mit dem Kardinalsrang verbunden ist. Als möglicher Grund für Beccius Entlassung war auch seine Beteiligung am spekulativen Erwerb eines Gebäudes im Londoner Stadtteil Chelsea vom Februar 2014 genannt worden. Bei dem Geschäft soll der Vatikan viele Millionen Euro verloren haben.

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