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Diplomatie mit allen Mitteln : Der Impfstoff ist Macht

Impfstoffentwicklung bei Sinovac in Peking Bild: AFP

Überall entwickeln Forscher gerade Corona-Impfstoffe, sie werden auf der ganzen Welt gebraucht. Zwar geben sich Regierungen gerne generös. Doch in der Praxis verbinden viele die Verteilung des Vakzins mit politischen Interessen.

          8 Min.

          Der bahreinische Kronprinz Scheich Salman bin Hamad war im September einer der ersten, der sich den Impfstoff des chinesischen Anbieters Sinopharm in den Oberarm spritzen ließ. Im November folgte der Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum. Sie taten das, obwohl Sinopharm bis heute keine Daten über die Wirksamkeit seines Vakzins gegen das Coronavirus veröffentlicht hat. Die Emirate waren zudem der erste Staat außerhalb Chinas, der den Impfstoff schon Mitte September zur Notfallverwendung für eigenes medizinisches Personal und Regierungsbeamte zuließ.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

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          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Für Chinas Impfstoffdiplomatie war das ein wichtiger Erfolg am Golf. Mit mindestens 15 Ländern auf fünf Kontinenten haben chinesische Impfstoffhersteller Verträge über die Durchführung von klinischen Tests unterschrieben. Im Gegenzug stellen sie nach erfolgter Zulassung den Impfstoff bereit. Ursprünglich geschah das aus Not. Weil es in China nicht mehr genügend Corona-Infizierte gibt, waren die Unternehmen gezwungen, die dritte Phase ihrer Tests ins Ausland zu verlegen. Doch Peking machte daraus einen Vorteil. Die Beteiligung von Forschungsinstituten in den jeweiligen Ländern verschafft den Vakzinen jene politische Unterstützung, den ein allein in China getestetes Präparat wohl kaum gehabt hätte.

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