https://www.faz.net/-gpf-9737z

Jacob Zuma abberufen : Der letzte Countdown

Will das Werk Mandelas fortsetzen: ANC-Präsident Cyril Rampaphosa am Sonntag in Kapstadt. Bild: EPA

Nach neun Jahren sind die Tage Jacob Zumas gezählt, seine eigene Partei beruft ihn ab. Der ANC muss sich nun Fragen stellen, warum er das korrupte System so lange geduldet hat.

          Die Worte, mit denen die Spitze des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) den Präsidenten der Republik Südafrika entmachtete, waren klar und knapp: Das Exekutivkomitee habe beschlossen, den Genossen Jacob Zuma, abzuberufen, hieß es auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Die Entscheidung sei endgültig und unumstößlich. Schon die Ansprache zur Lage der Nation werde sein designierter Nachfolger Cyril Ramaphosa halten. Zuma sei einverstanden mit dem Wachwechsel gewesen, hieß es weiter, allerdings habe er sich eine drei- bis sechsmonatige Übergangsphase ausbedungen. Diese werde ihm allerdings nicht eingeräumt. Man könne jetzt nicht mehr warten: Schließlich sei man mit „Myriaden sozioökonomischer Herausforderungen konfrontiert“. Die müsse man nun angehen. Im Übrigen werde man den Genossen Zuma mit Würde behandeln und erwarte dessen Stellungnahme am folgenden Tag.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Die nüchternen Sätze markieren das Ende eines wochenlangen Gerangels. Schon im Dezember war der Multimillionär Ramaphosa, dessen Vermögen die Zeitschrift „Forbes“ auf 450 Millionen US-Dollar schätzt, zum neuen ANC-Vorsitzenden gewählt worden – womit er sehr wahrscheinlich auch der nächste Präsident Südafrikas werden wird. Die Wahlen sollen 2019 stattfinden; dennoch wurde seit Wochen gerätselt, ob Zuma seinen Posten nicht schon früher räumen würde, um dem Nachfolger Platz zu machen. Zuma gilt seit langem als Belastung. Ihm werden Korruption und die Ausplünderung der Staatskassen vorgeworfen. Investoren zaudern, solange Zuma noch im Amt ist: Ihr Kandidat ist seit langem Ramaphosa, ein ehemaliger Studentenführer und Gewerkschafter, der als Geschäftsmann einer der reichsten Männer Südafrikas wurde.

          Zuma weigerte sich indessen konsequent, seine Amtszeit freiwillig zu verkürzen. Doch nach dem Urteilsspruch des ANC-Gremiums ist klar, dass seine Tage gezählt sind. Wenn er jetzt nicht freiwillig abtritt, dürfte er über ein Misstrauensvotum, das am 22. Februar ohnehin stattfinden soll, oder ein Amtsenthebungsverfahren gestürzt werden.

          Zumas Schicksal war besiegelt

          „Brutale 13 Stunden“ lang, so die südafrikanische Nachrichten-Website „Times Live“, hatte das Exekutivkomitee des ANC am Montag im vornehmen St. George Hotel in Pretoria getagt – unterbrochen nur von einem etwa anderthalbstündigen Besuch Ramaphosas bei dem amtierenden Staatspräsidenten am späten Abend, bei welchem er Zuma vergeblich bat, freiwillig abzudanken und eine Eskalation zu vermeiden. Schließlich, um drei Uhr am Dienstagmorgen, verließen die Mitglieder des Vorstands ermattet ihren Tagungsraum: Zumas Schicksal war besiegelt, die Abberufung beschlossen.

          Schon am Sonntag waren die jährlichen Feierlichkeiten zur Freilassung Nelson Mandelas aus dem Inselgefängnis von Robben Island zur Ramaphosa-Show geraten. Jedes Jahr wird in Kapstadt die ANC-Ikone, die am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren Haft die Freiheit wiedererlangte, gewürdigt. Doch in diesem Jahr wird der 2013 verstorbene Anführer besonders geehrt. Die Veranstaltung in Kapstadts Innenstadt bildete nur den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Feierlichkeiten, deren Höhepunkt der 18. Juli sein wird: An diesem Tag wäre „Madiba“, so Mandelas populärer Stammesname, einhundert Jahre alt geworden.

          Weitere Themen

          Die Macht der Musik

          Zum Tode von Johnny Clegg : Die Macht der Musik

          Der Sänger und Tänzer Johnny Clegg war weiß – und er hat wahrscheinlich mehr als jeder andere Weiße für die friedliche Überwindung der Apartheid in Südafrika getan. Ein Nachruf auf einen wundervollen Mann.

          Frankreich ratifiziert Freihandelsabkommen Video-Seite öffnen

          EU mit Kanada : Frankreich ratifiziert Freihandelsabkommen

          Das Abstimmungsergebnis fiel am Dienstag aber, mit 266 Stimmen dafür und 213 dagegen, knapper aus, als gedacht. Die deutsche Wirtschaft würdigte das Votum als wichtigen Meilenstein.

          Die Fortsetzung der Revolution

          Wahlen in der Ukraine : Die Fortsetzung der Revolution

          Die Ukrainer wählen an diesem Sonntag ein neues Parlament. Ihm werden voraussichtlich viele junge Menschen angehören, die sich bei einem Casting durchgesetzt haben – bei dem sie zur Probe „Gesetzentwürfe“ schreiben mussten.

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Außenminister: Jean-Yves Le Drian (links) und Heiko Maas (rechts)

          Regierungsbeschluss : Berlin will vorerst keine Schiffe an den Golf schicken

          Außenminister Heiko Maas will sich der Strategie Amerikas nicht anschließen. Da ist er sich mit seinem englischen und französischen Amtskollegen einig. Stattdessen sieht er die Anrainer in der Pflicht.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.