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Jacob Zuma abberufen : Der letzte Countdown

Will das Werk Mandelas fortsetzen: ANC-Präsident Cyril Rampaphosa am Sonntag in Kapstadt. Bild: EPA

Nach neun Jahren sind die Tage Jacob Zumas gezählt, seine eigene Partei beruft ihn ab. Der ANC muss sich nun Fragen stellen, warum er das korrupte System so lange geduldet hat.

          Die Worte, mit denen die Spitze des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) den Präsidenten der Republik Südafrika entmachtete, waren klar und knapp: Das Exekutivkomitee habe beschlossen, den Genossen Jacob Zuma, abzuberufen, hieß es auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Die Entscheidung sei endgültig und unumstößlich. Schon die Ansprache zur Lage der Nation werde sein designierter Nachfolger Cyril Ramaphosa halten. Zuma sei einverstanden mit dem Wachwechsel gewesen, hieß es weiter, allerdings habe er sich eine drei- bis sechsmonatige Übergangsphase ausbedungen. Diese werde ihm allerdings nicht eingeräumt. Man könne jetzt nicht mehr warten: Schließlich sei man mit „Myriaden sozioökonomischer Herausforderungen konfrontiert“. Die müsse man nun angehen. Im Übrigen werde man den Genossen Zuma mit Würde behandeln und erwarte dessen Stellungnahme am folgenden Tag.

          Thilo Thielke

          Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Die nüchternen Sätze markieren das Ende eines wochenlangen Gerangels. Schon im Dezember war der Multimillionär Ramaphosa, dessen Vermögen die Zeitschrift „Forbes“ auf 450 Millionen US-Dollar schätzt, zum neuen ANC-Vorsitzenden gewählt worden – womit er sehr wahrscheinlich auch der nächste Präsident Südafrikas werden wird. Die Wahlen sollen 2019 stattfinden; dennoch wurde seit Wochen gerätselt, ob Zuma seinen Posten nicht schon früher räumen würde, um dem Nachfolger Platz zu machen. Zuma gilt seit langem als Belastung. Ihm werden Korruption und die Ausplünderung der Staatskassen vorgeworfen. Investoren zaudern, solange Zuma noch im Amt ist: Ihr Kandidat ist seit langem Ramaphosa, ein ehemaliger Studentenführer und Gewerkschafter, der als Geschäftsmann einer der reichsten Männer Südafrikas wurde.

          Zuma weigerte sich indessen konsequent, seine Amtszeit freiwillig zu verkürzen. Doch nach dem Urteilsspruch des ANC-Gremiums ist klar, dass seine Tage gezählt sind. Wenn er jetzt nicht freiwillig abtritt, dürfte er über ein Misstrauensvotum, das am 22. Februar ohnehin stattfinden soll, oder ein Amtsenthebungsverfahren gestürzt werden.

          Zumas Schicksal war besiegelt

          „Brutale 13 Stunden“ lang, so die südafrikanische Nachrichten-Website „Times Live“, hatte das Exekutivkomitee des ANC am Montag im vornehmen St. George Hotel in Pretoria getagt – unterbrochen nur von einem etwa anderthalbstündigen Besuch Ramaphosas bei dem amtierenden Staatspräsidenten am späten Abend, bei welchem er Zuma vergeblich bat, freiwillig abzudanken und eine Eskalation zu vermeiden. Schließlich, um drei Uhr am Dienstagmorgen, verließen die Mitglieder des Vorstands ermattet ihren Tagungsraum: Zumas Schicksal war besiegelt, die Abberufung beschlossen.

          Schon am Sonntag waren die jährlichen Feierlichkeiten zur Freilassung Nelson Mandelas aus dem Inselgefängnis von Robben Island zur Ramaphosa-Show geraten. Jedes Jahr wird in Kapstadt die ANC-Ikone, die am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren Haft die Freiheit wiedererlangte, gewürdigt. Doch in diesem Jahr wird der 2013 verstorbene Anführer besonders geehrt. Die Veranstaltung in Kapstadts Innenstadt bildete nur den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Feierlichkeiten, deren Höhepunkt der 18. Juli sein wird: An diesem Tag wäre „Madiba“, so Mandelas populärer Stammesname, einhundert Jahre alt geworden.

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