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Den Haag : Die Krim-Krise überschattet den Atom-Gipfel

  • Aktualisiert am

Bunter Protest vor dem Gipfel Bild: dpa

53 Staats- und Regierungschefs wollen auf dem Atom-Gipfel über den Schutz nuklearen Materials vor Terroristen beraten. Doch die Krise in der Ukraine wird den Gipfel dominieren - Putin kommt nicht nach Den Haag.

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          In Den Haag sind die ersten Staats- und Regierungschefs zum Gipfel über nukleare Sicherheit eingetroffen. Das zweitägige Treffen, das am Montag beginnt, müsse „die Welt ein wenig sicherer machen“, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Sonntag. Zu der größten Konferenz in der Geschichte der Niederlande werden 53 Staats- und Regierungschefs erwartet. Der amerikanische Präsident Barack Obama, der sie angestoßen hatte, trifft am Montag ein und will zunächst das Amsterdamer Reichsmuseum besuchen.

          Auf dem Atom-Gipfel - dem dritten seiner Art nach Washington und Seoul - wollen die Staaten vereinbaren, die Bestände von nuklearem Material zu verringern, sie besser zu schützen und stärker zusammenzuarbeiten. Die Gefahr des nuklearen Terrorismus sei eine der größten Bedrohungen der Menschheit, betonte Rutte. Voraussichtlich wird allerdings die Ukraine-Krise die Gespräche dominieren.

          Russland schickt nur Außenminister Lawrow

          Am Rande der Beratungen werden die sieben führenden Industriestaaten auf Einladung von Obama am frühen Montagabend zusammenkommen. Sie wollen über das weitere Vorgehen nach der Annektierung der Krim durch Russland beraten. Dabei wird die Gruppe bestätigen, dass die G8 - zu der neben den Sieben bisher auch Russland gehörte - bis auf weiteres nicht mehr existiert.

          Kanzlerin Angela Merkel hob vor dem Gipfel die bisherigen Fortschritte bei der Sicherstellung von Nuklearmaterial hervor. Als Beispiele nannte sie in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft die Sicherung ausgemusterter Atom-U-Boote der russischen Nordmeerflotte und von Kernmaterialien der Ukraine. Damit seien Initiativen in Gang gekommen, „von denen wir sagen können: Jetzt gibt es mehr Sicherheit in dieser Frage“. Da aber fast jedes Land über Nuklearmaterial verfüge, etwa aus der Medizintechnik, müsse sichergestellt werden, dass niemand eine „schmutzige Bombe“ bauen könne.

          Russland schickt seinen Außenminister Sergej Lawrow zum Atom-Gipfel. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte nach Aussagen des niederländischen Premiers seine Teilnahme bereits während der Olympischen Winterspiele in Sotschi abgesagt.

          Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol landeten am Sonntag die Regierungsflugzeuge unter anderem aus Nigeria, Kanada, Kasachstan, Indonesien, der Türkei und Japan. Als erster Gast war Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bereits am Samstag zu einem zweitägigen Staatsbesuch in den Niederlanden eingetroffen. Einige hundert Menschen folgten am Sonntag einem Aufruf von Friedens- und Umweltgruppen und protestierten in Den Haag gegen den Atom-Gipfel.

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