https://www.faz.net/-gpf-91nxw

Katalonien : Separatisten gehen für Referendum auf die Straße

  • Aktualisiert am

Demonstranten tragen Flaggen Kataloniens durch die Straßen Barcelonas. Bild: dpa

Hunderttausende Katalanen sind in Barcelona für eine Unabhängigkeit ihrer Region von Spanien auf die Straße gegangen. Trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht wollen sie bald über die Loslösung abstimmen.

          1 Min.

          Hunderttausende Menschen haben am Montag für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien demonstriert. Bei dem Marsch am Diada-Feiertag schwenkten sie rot-gelb-gestreifte Fahnen und trugen Banner mit Aufschriften wie „Wir werden ein freies Land sein“ und „Voller Hoffnung“ mit sich. Die Demonstranten zeigten sich entschlossen, trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht über die Loslösung Kataloniens abzustimmen.

          „Wir hoffen, dass wir das Referendum in völliger Normalität abhalten können, weil es in einer Demokratie normal ist, wählen zu können“, sagte German Freixas, der mit seiner Familie an der Demonstration teilnahm. Der Feiertag erinnert an den Fall der Stadt 1714 im Spanischen Erbfolgekrieg. Weder Polizei noch die Organisatoren der Demonstration legten zunächst eine genauere Schätzung der Teilnehmerzahlen vor.

          Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, sagte, das für den 1. Oktober geplante Referendum werde ungeachtet der Kosten abgehalten werden. „Es ist keine Option, dass die Abstimmung gestoppt wird“, sagte er. „Es sind noch 20 Tage, und wir haben schon jetzt viele Hürden überwunden.“ Das spanische Verfassungsgericht hat das Referendum allerdings ausgesetzt. Gegen Puigdemont wurde Anklage wegen Veruntreuung öffentlichen Geldes, Ungehorsam und Amtsmissbrauch in Zusammenhang mit der Organisation des Referendums erhoben. Er sagte, er sei bereit, ins Gefängnis zu gehen. Eine Mehrheit der Bürgermeister in Katalonien erklärte, ihre Räumlichkeiten für das Referendum zur Verfügung zu stellen. In Umfragen ist zuletzt die Zustimmung zu einer Unabhängigkeit Kataloniens gesunken.

          Im November 2014 hatten die Katalanen trotz eines gerichtlichen Verbots in einer inoffiziellen Volksabstimmung mehrheitlich für die Loslösung von Spanien votiert. Das Referendum hatte allerdings keine rechtlich bindende Wirkung. Das von Unabhängigkeitsbefürwortern kontrollierte Abgeordnetenhaus in Barcelona hat inzwischen ein Gesetz verabschiedet, das den rechtlichen Rahmen für die Gründung eines eigenen Staates schaffen soll. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte das Verfassungsgericht angerufen, um das Referendum für illegal erklären zu lassen.

          Weitere Themen

          Ein seltsamer Kredit

          Wolfgang Bosbach : Ein seltsamer Kredit

          Die Bosbach-Kommission der nordrhein-westfälischen Landesregierung befasst sich eigentlich mit Sicherheitsfragen. Doch bei dem nächsten Treffen muss sie sich mit einer Posse ihres Vorsitzenden auseinandersetzen.

          CDU in Hamburg nur noch auf Platz 3 Video-Seite öffnen

          Drohendes Wahldebakel : CDU in Hamburg nur noch auf Platz 3

          Der Hamburger CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg hat es schwer, die rotgrüne Koalition mit einem inhaltlichen Wahlkampf in Bedrängnis zu bringen. Aktuelle Umfragen sehen seine Partei nur noch auf dem dritten Platz in der Hansestadt

          Topmeldungen

          Großprojekt in Brandenburg : Der Aufstand im Tesla-Wald

          Erst stoppen Umweltschützer die Rodungsarbeiten, dann klettern Kapitalismuskritiker auf die Bäume: Sind Großprojekte wie die Tesla-Fabrik in Deutschland überhaupt noch machbar?
          Ein deutsches U-Boot im Mai 1945 im Bunker in St. Nazaire

          Die letzten Kriegswochen : Kämpfe um deutsche U-Bootbasen

          Gefechte um noch von der Wehrmacht gehaltenen Stützpunkte in Westfrankreich bleiben folgenlos. Argentinien protestiert gegen das Festhalten seiner Diplomaten durch Deutschland. Der 18. Februar 1945 in der F.A.Z.-Chronik.
          Der „200. Dresdner Abendspaziergang“ des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida hatte vor der Frauenkirche auch zahlreiche Gegendemonstranten auf den Plan gerufen.

          Pegida-Demo in Dresden : Höckes Angst vor Merz

          Thüringens AfD-Chef sprach am Montagabend anlässlich des 200. „Abendspaziergangs“ der islam- und regierungsfeindlichen Bewegung Pegida vor mehreren tausend Menschen in Dresden. Etwa genauso viele protestierten gegen die Veranstaltung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.