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Amerikanische Präsenz im Irak : Washington dementiert Pläne zu Truppenabzug

  • Aktualisiert am

Ein Mitglied der amerikanischen Marines trägt einen Sandsack während der Verstärkung an der amerikanischen Botschaft in Bagdad. Bild: dpa

Das amerikanische Verteidigungsministerium hat einem Bericht über einen Truppenabzug im Irak widersprochen. Das im Bericht zitierte Schreiben sei ein Entwurf gewesen und versehentlich an die Öffentlichkeit gelangt.

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          Amerikas Verteidigungsminister Mark Esper hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach die Vereinigten Staaten den Abzug ihrer Truppen aus dem Irak planen. „Es gibt absolut keine Entscheidung, den Irak zu verlassen“, sagte Esper am Montag vor Reportern. Das bestätigte auch das Pentagon: „Die US-Politik in Bezug auf unsere Truppenpräsenz im Irak hat sich nicht verändert“, schrieb die Sprecherin des Pentagons, Alyssa Farah, am Montag auf Twitter. Zuvor hatten Reuters und andere Medien über ein Schreiben des amerikanischen Militärs berichtet, in dem dieses den Abzug aus dem Irak ankündigt.

          „Ich weiß nichts von einem solchen Schreiben. Wir versuchen herauszufinden, wo das herkommt und worum es sich handelt. Aber es gibt keine Entscheidung zum Abzug. Punkt.“ Es seien auch keine Pläne herausgegeben worden, um einen Abzug vorzubereiten. Die Vereinigten Staaten seien weiter entschlossen, gemeinsam mit ihren Verbündeten und Partnern der Extremistenmiliz IS im Irak entgegenzutreten.

          Der amerikanische Generalstabschef Mark Milley erklärte später, es handle sich bei dem Brief um den schlecht formulierten und nicht unterschriebenen Entwurf eines Schreibens, das auf erhöhte Truppenbewegungen habe hinweisen sollen. „Schlecht formuliert, lässt auf Abzug schließen. Das ist nicht, was geschieht“, sagte Milley. Auch er betonte, es sei kein Abzug geplant.

          Zitate aus dem Schreiben

          Reuters hatte zuvor aus dem Schreiben zitiert, in dem das amerikanische Militär den Abzug aus dem Irak ankündigt. „Sir, aus Hochachtung vor der Souveränität der Republik Irak und wie vom irakischen Parlament und dem Ministerpräsidenten gefordert, wird CJTF-OIR die Truppen im Verlauf der kommenden Tage und Wochen umgruppieren, um eine Weiterverlegung vorzubereiten“, hieß es darin. Reuters konnte das Schreiben am Montag einsehen. „Wir respektieren Ihre souveräne Entscheidung, unseren Abzug anzuordnen“, hieß es in dem Brief. Ein Insider aus irakischen Militärkreisen hatte die Authentizität des Schreibens bestätigt, das an das Verteidigungsministerium in Bagdad adressiert war.

          Die Vereinigten Staaten haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert, vor allem als Teil eines Militärbündnisses, das sich dem Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verschrieben hat.

          Das irakische Parlament hatte am Sonntag die Regierung aufgefordert, alle ausländischen Truppen des Landes zu verweisen. Zudem sollen ausländische Truppen künftig auch den irakischen Luftraum nicht mehr nutzen dürfen. Darauf hatte Präsident Donald Trump mit massiven Sanktionen für den Fall gedroht, dass die dortige Regierung die Truppen des Landes verweist. Es werde in diesem Fall „sehr große“ Strafmaßnahmen geben, die das Land so noch nicht gesehen habe.

          Der Parlamentsbeschluss war durch den tödlichen Luftangriff der Amerikaner auf den iranischen Top-General Qassem Soleimani in der Nacht zum Freitag in Bagdad ausgelöst worden. Mit dem Beschluss solle die „irakische Souveränität“ geschützt werden. Iraks geschäftsführender Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi verurteilte in der Parlamentssitzung die gezielte Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani und des irakischen Milizenführers Abu Mehdi al-Muhandis bei einem Drohnenangriff der Amerikaner als „politischen Mord“.

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