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Delta-Variante : Fast jeder dritte Infizierte in Israel ist vollständig geimpft

Vorbereitung einer Corona-Impfung am 21. Juni in Tel Aviv Bild: Reuters

Fast alle genetisch untersuchten Corona-Fälle in Israel weisen die Delta-Variante auf. Auch Geimpfte scheinen sich mit der Mutante zu infizieren. Ins Krankenhaus müssen aber nach wie vor nur wenige.

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          In Israel weisen nahezu alle mit Genom-Sequenzierungen untersuchten Corona-Fälle die Delta-Variante des Coronavirus auf. Dies teilte das Gesundheitsministerium auf F.A.Z.-Anfrage mit. Zwar habe man zwischen dem 13. und dem 26. Juni von 1168 infizierten Personen bisher nur 128 Delta-Fälle erkannt, gleichwohl seien dies fast alle überhaupt bisher genetisch untersuchten Fälle. Da die Genom-Sequenzierung rund zehn Tage in Anspruch nehme, um Mutationen zu erkennen, erwarte man noch einen deutlichen Anstieg der Delta-Zahlen, so ein Sprecher.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Von den 1168 infizierten Personen waren 555 Personen über 16 Jahre alt, davon wiederum waren 437 zweifach geimpft. Deshalb gehe man auch der Möglichkeit nachlassender Immunität bei Fällen vollständig geimpfter Personen nach, so das Gesundheitsministerium. In Israel hatte die Impfkampagne bereits vor mehr als einem halben Jahr begonnen. „In der vergangenen Woche ist die Zahl der positiv getesteten Personen in Israel angestiegen“, sagte Ministerpräsident Naftali Bennett am Sonntagabend, „doch gab es keinen entsprechenden Anstieg der in Krankenhäuser eingewiesenen Personen – aber wir müssen wissen, dass die Delta-Variante geimpfte Personen infiziert.“

          Die Fallzahlen sind weiter gering

          Die Gesundheitslage in Israel gilt weiter als stabil, es wird vor Panikmache gewarnt. Zum einen sind die israelischen Fallzahlen im internationalen Vergleich weiter sehr gering. Für den Sonntag wurden 114 neue Infektionen gemeldet. Zum anderen sind die wenigsten der infizierten Personen erkrankt, und wenn, dann bislang auch nur leicht. Die Zahl der Hospitalisierungen (derzeit 44) ist bislang nicht gestiegen. Das wird vor allem auch auf die hohe Wirksamkeit des Pfizer-Biontech-Impfstoffs zurückgeführt sowie darauf, dass in Israel rund neunzig Prozent der eher gefährdeten Bevölkerung über 50 Jahren geimpft ist.

          Zudem sind rund die Hälfte der neu infizierten Personen Kinder unter 17 Jahren, deren Infektionen zumeist asymptomatisch ablaufen. Am Montag rief Bennett junge Israelis zwischen zwölf und 15 Jahren dazu auf, sich impfen zu lassen. Berichten zufolge wird das Impfangebot in dieser Altersgruppe eher zögerlich angenommen. Noch gebe es genügend Impfstoffe, so Bennett in einem Video, doch laufe die Wirksamkeit bald ab. „Der letzte Tag an dem es möglich ist, sich mit der ersten Dosis impfen zu lassen, ist der 9. Juli“, so Bennett. Drei Wochen später sei der Impfstoff abgelaufen.

          Die israelische Regierung sieht von weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens bislang ab. Neben der Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen wurde beschlossen, die Heimquarantäne infizierter Personen stärker zu überwachen. Zudem wurde das sogenannte Corona-Kabinett wieder aktiviert. Am Sonntag beschlossen die Minister, dass jeder Israeli über 16 Jahren bei einer Auslandsreise eine Erklärung zu unterschreiben habe, keines der als „rot“ eingestuften Länder zu bereisen. Ohne Ausnahmegenehmigung ziehe dies nun Geldstrafen nach sich, berichtete das Blatt „Maariv“. Die Nichteinhaltung häuslicher Quarantäne im Infektionsfall und die Rückreise aus stark Corona-betroffenen Ländern bei in Einzelfällen laxen Kontrollen am Flughafen gelten als ursächlich für die jüngste Ausbreitung des Virus.

          Bennett gab das Motto aus: „Masken statt Einschränkungen – Impfungen statt Lockdowns“. Gleichzeitig beschloss das Corona-Kabinett einen Plan, Genom-Sequenzierungen auch bei allen Corona-Tests der nach Israel einreisenden Personen vorzunehmen.

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