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Debatten der Demokraten : Alle gegen Biden

Die Demokraten stellen sich erstmals im Fernsehen als Kandidaten für die Präsidentenwahl vor. Bild: AFP

Die erste Debatte der Demokraten bietet Millionen Wählern die Gelegenheit, Kandidaten für die Präsidentenwahl kennenzulernen, von denen sie noch nie etwas gehört haben. Für die Anwärter ist es die Möglichkeit, sich zu profilieren.

          Der frühere amerikanische Admiral und Kongressabgeordnete Joe Sestak hat am Montag verkündet, dass er in die Vorwahlen der Demokraten für die Präsidentenwahl einsteigen möchte. Doch damit ist er sehr spät. Mehr als 20 andere ernsthafte Kandidaten standen da schon auf der Liste. Und für eine wichtige Veranstaltung war er sogar zu spät: für die erste im Fernsehen übertragene Debatte der demokratischen Präsidentschaftsanwärter. Denn diese findet schon heute und morgen in Miami statt und zwar wegen der Größe des Bewerberfeldes an zwei Tagen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Durch die Größe des Bewerberfeldes sah sich die Parteiorganisation, das Nationalkomitee der Demokraten (DNC), dazu gezwungen, Qualifikationskriterien für die Teilnahme aufzustellen. Wer dabei sein wollte musst mindestens ein Prozent in einer vom DNC anerkannten Umfrage erreichen oder Einzelspenden von mindestens 65.000 Menschen eingeworben haben, von denen mindestens 200 aus verschiedenen Bundesstaaten kommen müssen. 14 Kandidaten haben beide Erfordernisse erfüllt, sechs sich über die Anzahl ihrer Spender qualifiziert.

          Die endgültige Aufteilung, welche Kandidaten an welcher Diskussion teilnehmen, hat der Sender NBC vorgenommen, der die Debatte überträgt. Dazu wurden zwei Lostöpfe gebildet. Im ersten Topf waren jene Kandidaten, die in den Umfragen mehr als zwei Prozent erreichen und der Rest in dem anderen Topf. Damit sollte sichergestellt werden, dass an beiden Abenden hochkarätige Redner teilnehmen und es keinen sogenannten „Kindertisch“ gibt, wenn die weniger bekannten Anwärter allein unter sich – und wohl auch größtenteils unter Ausschluss eines größeren Zuschauerinteresses – debattieren müssten (so war es vor vier Jahren, als die Republikaner ihre 17 Kandidaten auf zwei Diskussionen aufteilten). Die Ziehung ergab, dass in einer Debatte als bekanntere Kandidaten Elizabeth Warren, Cory Booker, Beto O´Rourke und Amy Klobuchar gemeinsam auf der Bühne stehen und in der anderen unter anderem Joe Biden auf Bernie Sanders, Pete Buttigieg und Kamala Harris trifft. Der Sender NBC hat entschieden, die Biden-Sanders-Debatte wegen des höheren Zuschauerinteresses auf den zweiten Termin zu legen. Denn in dieser Besetzung trifft die aktuelle Nummer eins der Umfragen, Joe Biden, auf die Nummer zwei, Bernie Sanders.

          Auch wenn durch den Auswahlprozess versucht wurde, ein Höchstmaß an Gerechtigkeit herzustellen, gab es Kritik daran. Die rausgefallenen Kandidaten Seth Moulton (Kongressabgeordneter), Steve Bullock (Gouverneur von Montana) und Wayne Messam (Bürgermeister von Miramar/Florida) prangern an, dass das DNC zu viel Macht bei der Kandidatenauswahl habe, besonders dadurch, dass es die Umfragen bestimmen kann, die es anerkennt. Steve Bullock, der sich bereits für die zweite Debatte im Juli in Detroit qualifiziert hat, wird an den beiden Terminen der ersten Debatte im Fernsehen übertragene Wahlkampfveranstaltungen in Iowa und New Hampshire abhalten.

          Das DNC hatte die Regularien der Debatten extra für diesen Wahlzyklus geändert und im im Februar bekannt gegeben, um der Kritik von vor vier Jahren auszuweichen, als es hieß, es sei zu sehr für Hillary Clinton eingenommen gewesen. Die starke Rolle, die das Thema Spendeneinnahme jetzt spielt, wird als Zugeständnis an Kandidaten wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren gewertet, die für ihre progressiven Agenden viele kleine Spenden einsammeln können. Das führte jedoch auch dazu, dass das Werben um Spenden im Internet massiv zugenommen hat. So hat zum Beispiel John Delaney um Spender geworben, indem er versprach,  für jeden finanziellen Beitrag, der bei ihm eingeht, zwei Dollar an verschiedene wohltätige Organisationen zu Spenden. Für die zweite Debatte im nächsten Monat gelten dann übrigens die gleichen Qualifikationskriterien, für die dritte steigen sie jedoch an. Dann müssen die Kandidaten mindestens auf zwei Prozent in den Umfragen kommen oder mindestens 130.000 Spender haben, wobei mindestens 400 von diesen aus 20 verschiedenen Bundesstaaten kommen müssen.

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          Die beiden Debatten werden in jedem Fall die erste Gelegenheit für Millionen Wähler sein, die Kandidaten in Aktion zu erleben und für diese die erste Möglichkeit sich den Wählern zu präsentieren – viele Menschen werden von einem Großteil der Kandidaten noch nie gehört haben –, aber auch die erste Gelegenheit, im nationalen Fernsehen sich verbal hart zu attackieren, denn bislang lief der Wahlkampf in sehr zivilen Bahnen, persönliche Angriffe hielten sich in Grenzen. Beobachter erwarten, dass besonders beim zweiten Termin alle Teilnehmer versuchen werden, den Favoriten Joe Biden zu überstrahlen. Für diesen wiederum wird die Frage sein, ob er sauber durch die Debatte kommt oder sich einen verbalen Ausrutscher leistet – bei dem Mann, den einige Mitarbeiter als „Ausrutschermaschine“ bezeichnen, keine kleine Wahrscheinlichkeit. In der ersten Debatte ist wahrscheinlich Elizabeth Warren – die derzeitige Nummer drei in den Umfragen – diejenige, die sich der meisten Angriffe erwehren müssen wird. Sämtliche Kandidaten werden versuchen, Momente zu erzeugen, die im Internet viral weiterverbreitet werden können.

          Die Themen der Debatten bestimmen die Moderatoren, die von den Sendern NBC, MSNBC und Telemundo gestellt werden. Es wird allerdings erwartet, dass es unter anderem um die Lage der Wirtschaft, allgemeine Krankenversicherung, kostenfreie Ausbildung, Abtreibung, Umweltschutz, Reparationen für Afroamerikaner, den Konflikt mit Iran und Immigration gehen wird.

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