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Debakel für britischen Premier Brown : Camerons Konservative im Aufwind

Freude bei der Opposition: Tory-Kandidat Edward Timpson kam auf rund 49,5 Prozent der Stimmen Bild: AFP

Britische Medien sprechen von einem „Erdrutschsieg der Konservativen“: Nach dem Desaster bei den Kommunalwahlen hat die Labour-Partei des britischen Premierministers auch bei einer Nachwahl eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Nun wird die Ablösung Browns gefordert.

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          Die deutlich gewonnene Nachwahl in Crewe hat die britischen Konservativen in ihrem Glauben bestärkt, das Image einer hartherzigen wirtschaftsliberalen Partei verloren zu haben. Der Kandidat der Konservativen, der junge Firmenerbe Edward Timpson, erreichte bei hoher Wahlbeteiligung fast fünfzig Prozent der abgegebenen Stimmen, die Labour-Kandidatin Tasmin Dunwoody, die Tochter der verstorbenen Mandatsträgerin, kam nur auf 30 Prozent.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Stunden nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses sah sich der britische Premierminister Brown mit der ersten Rücktrittsforderung aus der regierenden Labour-Partei konfrontiert. Der Abgeordnete Stringer aus Manchester rief die Parteiführung dazu auf, sie solle einen Kandidaten mit einem wichtigen Regierungsamt benennen, der Brown als Parteiführer herausfordern solle. Stringer sagte, Labour müsse vor einem „Desaster“ bei der nächsten Unterhauswahl bewahrt werden, die im nächsten oder übernächsten Jahr stattfinden könnte.

          „Das Ende von New Labour“?

          Premierminister Brown suchte am Freitag in einer Stellungnahme den Eindruck zu erwecken, er sei vollständig auf die Handhabung der schwierigen wirtschaftlichen Umstände konzentriert und lasse sich in seinem Führungswillen nicht beirren. Brown sagte, er habe eine klare und eindeutige Botschaft von den Wählern in Crewe erhalten. Sie laute, dass die Bevölkerung besorgt sei über steigende Preise für Lebensmittel, Benzin und Wohnnebenkosten. Brown versprach, er werde sich weiter um diese Themen kümmern; seine Aufgabe sei es, die britische Wirtschaft durch diese schwierigen Zeiten zu steuern.

          Brown könnte sich nun mit neuen Rücktrittsforderungen konfrontiert sehen

          Der Anführer der oppositionellen Konservativen, Cameron, verkündete nach dem Wahlsieg von Crewe „das Ende von New Labour“. Der Sieg in dem einzelnen Wahlkreis könne zum Anfang einer neuen Ära der Konservativen werden. Im Wahlkampf in jenem mittelenglischen Wahlkreis hatte die Labour-Partei vergebens versucht, die Konservativen als Partei der sozialen Kälte zu brandmarken - Labour-Aktivisten kostümierten sich mit Gehrock und Zylinder als Oberklasse-Gecken mit dem Ziel, auf diese Weise den Kandidaten der Konservativen zu diskreditieren. Doch diese Absicht verfing nicht; stattdessen fehlte es Labour selbst an sozialer Glaubwürdigkeit, nachdem die jüngsten Pläne zu einer Einkommensteuerreform ausgerechnet die ärmeren Ledigen deutlich belastet hätten.

          Rücktrittsforderung des Abgeordneten Stringer aus Manchester

          Die Erfolgsserie bei den Kommunalwahlen, auch der Sieg Boris Johnsons in London und jetzt der erste Nachwahl-Sieg der Konservativen in einem Labour-Wahlkreis seit 30 Jahren zeigen Cameron, dass die regierende Labour-Partei weiter an Widerstandskraft verliert. Die Konservativen agierten überdies in seltener Geschlossenheit, nahezu das gesamte Schattenkabinett reiste in die Industriestadt Crewe, um dort im Wahlkampf zu helfen. Es wird erwartet, dass Cameron nun den neuen Londoner Bürgermeister Johnson auffordert, zügig seinen Unterhaussitz aufzugeben, um in der Nachwahl in Johnsons Wahlkreis seine Siegesserie dramaturgisch geschickt fortzusetzen.

          Die stellvertretende Labour-Parteivorsitzende Harman beteuerte am Freitag zwar, „die überwältigende Mehrheit“ der Labour-Funktionäre und Parteimitglieder stehe „fest hinter Gordon Brown und seiner Politik“. Doch wurden am Morgen nach der Niederlage massive Vorwürfe gegen Brown aus seiner Fraktion laut. Der Labour-Linke John McDonnell, der aus seiner Ablehnung gegen Brown bei jeder sich bietenden Gelegenheit keinen Hehl macht, sagte am Freitag, der Versuch des Premierministers, in den letzten vierzehn Tagen wieder die Oberhand zu gewinnen, sei ein „Desaster“ gewesen; die Dinge seien stattdessen für die Regierung noch schlechter geworden. Schwerer als McDonnells Kritik wiegt für die Labour-Führung die Rücktrittsforderung des Abgeordneten Stringer aus Manchester. Der zählt nicht zu jenen Hinterbänklern, die wegen dünner Mehrheiten in ihren Wahlkreisen bei der nächsten Wahl um ihren eigenen Sitz fürchten müssten, sondern ist in Manchester mit einer Mehrheit von mehr als 60 Prozent verankert.

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