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Deal mit Biontech : EU handelt Vertrag für Corona-Impfstoff aus

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeitet in einem Labor. Bild: dpa

Die EU-Kommission hat einen Vertrag zur Lieferung des vielversprechenden Impfstoffs der Pharmafirmen Biontech und Pfizer fertig ausgehandelt. Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten.

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          Der Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer soll den EU-Bürgern schnell nach einer Zulassung zur Verfügung stehen. Das hat ein Sprecher der EU-Kommission am Dienstag versichert. Die EU-Kommissare wollten auf ihrem wöchentlichen Treffen an diesem Mittwoch einen Liefervertrag über bis zu 300 Millionen Dosen mit den beiden Unternehmen abschließen, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die notwendige juristische Prüfung danach werde noch zwei oder drei Tage dauern. Sobald der Vertrag abgeschlossen sei, könnten alle Mitgliedstaaten ihren Bedarf anmelden, sagte der Sprecher.

          Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hatte zuvor bereits im Fernsehsender Phoenix gesagt: „Die Verträge werden in den nächsten Stunden unterschrieben und dann auch durch die Kommissionsbeschlüsse morgen rechtlich verankert werden.“

          Grundsätzlich haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat einen Anteil von rund 19 Prozent. Der Sprecher sagte weiter, die Verteilung werde erst festgelegt, wenn der Bedarf aller Länder genau bekannt sei. 

          Die EU-Kommission verhandelt seit Monaten mit Biontech und Pfizer; sie hatte im September erklärt, bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen beziehen zu wollen. Ein Rahmenvertrag war aber noch nicht zustande gekommen – anders als bei drei anderen Impfstoffherstellern. Biontech und Pfizer hatten am Montag bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als neunzigprozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Eine Zulassung zunächst in den Vereinigten Staaten soll frühestens kommende Woche beantragt werden.

          Spahn erwartet zügigen Zulassungsprozess

          Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten. Damit sei die Bundesregierung in den Gesprächen in der EU angetreten, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag in Berlin mit. Für eine Immunisierung sollen zwei Impfdosen pro Person nötig sein.

          Spahn erwartet einen zügigen Zulassungsprozess. So würden nicht wie üblich erst alle Daten gesammelt und dann nach Ende der Zulassungsstudie bei den Behörden eingereicht. Diesmal laufe das in direktem Austausch.

          Sowohl eine Zulassung in der Vereinigten Staaten als auch eine in Europa würden sehr zügig geschehen. Spahn versicherte: „Die Anforderungen, die wir stellen (...), sind nicht irgendwie abgesenkt oder geändert.“ Deutschland als attraktiver Pharmamarkt hätte wie andere große EU-Staaten mit den Unternehmen auch alleine einen Vertrag schließen können, sagte Spahn. Doch mit Frankreich, Italien und den Niederlanden habe man sehr stark dafür geworben, dass dies die Kommission für alle EU-Staaten mache. Denn sonst hätten kleinere Staaten das Nachsehen gehabt. „Das ist manchmal etwas mühsamer, aber am Ende, wenn wir zusammenstehen, sind wir zusammen stärker.“

          Parallel zum Vertragsabschluss mit Pfizer und Biontech will die EU-Kommission am Mittwoch auch ein Gesetzespaket für eine sogenannte Gesundheitsunion vorschlagen. Unter anderen will sie eine Verordnung über Maßnahmen bei grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren vorlegen, mit der die EU schneller gemeinsame Schritte beim Ausbruch einer Pandemie beschließen könnte.

          Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese sagte, die EU habe sich nach dem Corona-Ausbruch zu sehr auf die Weltgesundheitsorganisation WHO verlassen müssen. Sie müsse mehr eigene Kompetenzen in der Seuchenbekämpfung bekommen. Zu diesem Zweck will die Kommission zudem das Europäische Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) und die Europäische Medizinagentur Ema stärken. 

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