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„Charlie Hebdo“ : Davutoglu kritisiert Mohammed-Karikatur auf Titelseite

  • Aktualisiert am

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu: „Wir können die Beleidigung des Propheten nicht akzeptieren“ Bild: AFP

Als „schwere Provokation“ bezeichnet der türkische Ministerpräsident die Mohammed-Karikatur auf der Titelseite der „Charlie Hebdo“. Zugleich wirft Davutoglu dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu vor, ebenso wie die Attentäter von Paris für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich zu sein.

          Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat die Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur auf der Titelseite der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ als „schwere Provokation“ bezeichnet. „Die Pressefreiheit bedeutet nicht die Freiheit zu beleidigen“, sagte Davutoglu am Donnerstag in Ankara vor seinem Abflug nach Brüssel. „Wir können die Beleidigung des Propheten nicht akzeptieren“, sagte der islamisch-konservative Politiker.

          Die erste Ausgabe der Zeitschrift seit dem islamistischen Angriff auf ihre Redaktion vergangene Woche war auch bei anderen Muslimen auf Kritik gestoßen. Die Karikatur der Zeitschrift, die diese Woche mit einer Auflage von fünf Millionen gedruckt wird und auch in Teilen von der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ veröffentlicht wurde, zeigt einen weinenden Propheten Mohammed unter der Überschrift „Alles ist verziehen“ mit dem Schild „Ich bin Charlie“.

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          Davutoglu vergleicht Netanjahu mit Paris-Attentätern

          Davutoglu griff zugleich den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu scharf an. „Wie die Terroristen, die die Massaker in Paris verübt haben, hat Netanjahu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt an der Spitze einer Regierung, die Kinder massakriert hat, die am Strand von Gaza spielten“, sagte Davutoglu mit Blick auf die israelische Militäroffensive gegen die Hamas im Gazastreifen im Sommer, bei der fast 2200 Palästinenser getötet worden waren.

          Der türkische Ministerpräsident bezog sich auch den Angriff auf einen von der Türkei geführten Hilfskonvoi für den Gazastreifen im Jahr 2010, bei dem zehn Türken getötet worden, und stellte ihn auf einer Stufe mit den Anschlägen von Paris.

          Davutoglu reagierte damit auch auf Äußerungen des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, der den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch einen „antisemitischen Straßenrowdy“ genannt hatte.

          Auch Erdogan hatte Netanjahu schon dafür kritisiert, am Sonntag an dem Gedenkmarsch für die Opfer der Anschläge in Paris teilgenommen zu haben. Bei der Angriffsserie waren in einem jüdischen Supermarkt auch vier Juden ermordet worden. Netanjahu hatte die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Erdogans Äußerungen zu verurteilen. Die einst engen diplomatischen und militärischen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in den vergangenen fünf Jahren erheblich verschlechtert.

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