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Nach langer Haft in der Türkei : Freigelassener deutscher Pilger kritisiert Gabriel

  • Aktualisiert am

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juni Bild: dpa

Länger als ein halbes Jahr saß ein Schweriner in türkischer Haft – ohne dass Anklage gegen ihn erhoben wurde. Zurück in der Heimat kritisiert er nun das Auswärtige Amt und dessen Chef.

          Der Schweriner Pilger David Britsch erhebt nach seiner Freilassung aus türkischer Haft Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt. Vertreter der deutschen Botschaft in Ankara hätten sich bei ihren Versuchen, Kontakt zu ihm aufzunehmen, von den türkischen Behörden abspeisen lassen, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es habe nur drei direkte Begegnungen mit deutschen Diplomaten gegeben.

          „Ich hätte mir stärkeren Druck erwartet, weil die Türkei ganz offensichtlich gegen internationale Vereinbarungen verstoßen hat“, so Britsch. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland habe er weder vom Auswärtigen Amt noch von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) „auch nur einen Pieps gehört“.

          Der 55 Jahre alte Schweriner war laut Medienberichten zu einer Pilgerreise nach Jerusalem aufgebrochen – zu Fuß und ohne Geld. Im April wurde er den Angaben zufolge in der türkischen Stadt Antakya festgenommen. Strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn seien bis zuletzt nicht bekannt gewesen. Kurz vor Weihnachten wurde der Pilger freigelassen und durfte ausreisen. „Es ist gut, dass Herr Britsch endlich wieder zu Hause in Deutschland ist“, teilte Außenminister Gabriel damals mit.

          Noch immer Deutsche inhaftiert

          Die Bundesregierung fordert noch immer von der Türkei die Freilassung des seit mehr als 10 Monaten inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Denis Yücel und anderer Deutscher, weil diese aus Sicht Berlins aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind.

          Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte kürzlich, er rechne im neuen Jahr mit einer deutlichen Entspannung im Streit mit Deutschland: „Ich denke, dass beide Seiten bereit dazu sind, die Beziehungen zu normalisieren.“

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