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Umstrittenes Datenunternehmen : Cambridge Analytica suspendiert eigenen Chef

Nach den Darstellungen des Whistleblowers Christopher Wylie, der bei Cambridge Analytica gearbeitet hat, hatte das Unternehmen bei Facebook eine wissenschaftliche Untersuchung angemeldet, die in der Gestalt eines Persönlichkeits-Quiz daherkam. Entworfen worden war das Quiz von dem Wissenschaftler Alexandr Kogan, der in Cambridge forscht. Offenbar nahmen 270.000 Facebook-Nutzer an dem Test teil, gaben damit aber zugleich die Daten aller ihrer Freunde preis, was die Zahl der abgeschöpften Profile auf fünfzig Millionen erhöht haben soll. Die Betroffenen wussten nichts davon, dass ihre Daten später für die Präsidentschaftskampagne Trumps fruchtbar gemacht wurden. Psychologische Profile wurden erstellt, die es den Wahlkämpfern erleichterten, die Bürger in den Monaten vor der Präsidentenwahl zielgerichtet anzusprechen.

Nix versuchte am Montag in der BBC die Verantwortung auf Kogan abzuwälzen. Der „sehr respektable Wissenschaftler“ sei 2014 auf seine Firma zugekommen und habe seine Dienste angeboten, die er dann „in ihrer Gesamtheit allein ausgeführt“ habe. Nix sei immer davon ausgegangen, dass Kogan die Genehmigung der Facebook-Nutzer eingeholt habe. Das Datenerhebungsverfahren sei auf ähnliche Weise vier Jahre zuvor von den Wahlkämpfern Barack Obamas angewendet worden, sagte Nix. Er verstehe nicht, warum einem Präsidentschaftsbewerber von der anderen Seite nicht dieselben Rechte zustehen sollten.

Selbst für den peinlichen Mitschnitt von Channel 4 fand Nix eine Erklärung. Es seien die Gastgeber gewesen, die das Gespräch auf schmutzige Methoden und mögliche Fallen gebracht hätten, sagte er. „Entlang dieses Gesprächsfadens – auch um unseren ,Klienten‘ Peinlichkeit zu ersparen – haben wir dann eine Reihe lächerlicher hypothetischer Szenarien entwickelt.“ Glaubt man dem Whisteblower Wylie, gehören Verzerrungen und Täuschungen zur Kultur des Unternehmens, und zwar seit den Anfängen. Als Trumps Wahlkampfmanager Steve Bannon zu seinen ersten Terminen ins Königreich angereist sei, habe Nix eigens Räume in Cambridge angemietet, um der Londoner Firma eine wissenschaftlichere Aura zu verleihen, sagte Wylie. Es sei Bannon gewesen, der den seriös klingenden Namen Cambridge Analytica erfunden habe, und Nix habe die Kulisse dafür geliefert. Bis heute liegt im Dunkeln, ob die Firma auch in die „Leave“-Kampagne während des britischen EU-Referendums eingespannt war. Nix wies diesen Verdacht am Montag abermals klar zurück.

Am Ende des Interviews mit der BBC wurde er gefragt, ob er sich im Rückblick hätte „ethisch anders verhalten“ sollen. „Ich bedauere ein bisschen die Art und Weise, wie ich die Firma repräsentiert habe“, sagte er. „Dass die Arbeit von CA von einem Hauch von Mysterium und Negativität begleitet wird, ist unbegründet, aber als Chef übernehme ich dafür die Verantwortung.“ Ob die Abgeordneten Nix ein weiteres Mal vorladen werden, ist ungewiss. Sie zielen nun ein paar Etagen höher. Am Dienstag schickte der Vorsitzende des Ausschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport, Damian Collins, einen Brief an Zuckerberg und forderte ihn darin auf, vor dem Gremium auszusagen. „Ihre offiziellen Antworten haben kontinuierlich die Risiken untertrieben und den Ausschuss in die Irre geführt“, heißt es in dem Schreiben. „Es ist nun Zeit, von einem ranghohen Facebook-Vertreter mit der ausreichenden Autorität über dieses katastrophale Prozessversagen akkurat informiert zu werden“, schrieb Collins und fuhr fort: „Im Hinblick auf Ihre Ankündigung zum Jahresanfang, ,Facebook in Ordnung zu bringen‘, hoffe ich, dass dieser Vertreter Sie sein werden.“

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