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Syrien-Kommentar : Assads Triumph

Ein Banner des syrischen Diktators Baschar al Assad vor einem Gebäude in Douma Bild: Reuters

Die syrische Kurdenmiliz YPG fühlt sich von ihrem Verbündeten Amerika verraten und ruft nun ausgerechnet den Diktator in Damaskus zu Hilfe. Man kann das ein Fiasko nennen – es ist der Preis für einen türkisch-amerikanischen Deal.

          Erst regte sich der Protest gegen das Regime des Baschar al Assad zaghaft, dann wurde er immer stärker. Als der Diktator mit harter Repression reagierte, breitete er sich über das ganze Land aus. Mehr als siebeneinhalb Jahre ist das nun her; Hunderttausende haben seit jenen Frühlingstagen 2011 das Leben verloren, Millionen sind geflohen oder wurden vertrieben.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Der syrische Bürgerkrieg, der sich schnell zu einem regionalen und internationalen Konflikt ausweitete, dauert (viel) länger als die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Welche Tragödie, welche Zerstörung!

          Wieder fest im Sattel

          Und schien es zu Beginn des Aufbegehrens nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch Assad das Schicksal anderer arabischer Diktatoren ereilen würde, so sitzt er heute wieder fest im Sattel, nicht zuletzt dank der Intervention Russlands und Irans. Seine Protektoren kämpften die Rebellenmilizen nieder, ohne Rücksicht auf Verluste unter der Zivilbevölkerung. So ist der Raum, über den Assad herrscht, wieder größer geworden.

          Nun hat ihn sogar die syrische Kurdenmiliz YPG zu Hilfe gerufen, um sich so gegen einen Angriff der Türkei zu wappnen. Syrische Truppen übernahmen sogar die Kontrolle in der Großstadt Manbidsch; aus der Kurdenregion hatte sich Assad früh zurückgezogen. Das ist ein Triumph für ihn und seine Hintermänner. Er zeigt, welche Folgen die Ankündigung Präsident Trumps hat, die amerikanischen Soldaten aus der Region abzuziehen. Denn die waren die Verbündeten der YPG-Miliz in dem erfolgreichen Kampf gegen die IS-Dschihadisten. Oder umgekehrt: Die YPG-Kämpfer waren Washingtons „boots on the ground“.

          Die fühlen sich nun verraten und wenden sich an den Diktator in Damaskus. Man kann das ein Fiasko nennen, es ist der Preis für einen türkisch-amerikanischen Deal. Ob es zu einer türkischen Offensive gegen das Kurdengebiet kommt, steht dahin. Denn das würde zwangsläufig in eine militärische Konfrontation mit Assad münden. Auszuschließen ist das nicht. Aber womöglich hält der syrische Puffer die Türkei fern.

          Die Bilanz des Krieges fällt niederschmetternd aus. Das Assad-Regime hat sich mit größter Brutalität behauptet; geöffnet hat es sich nicht. Fremde Mächte bestimmen. Von Wiederaufbau kann nur geträumt werden. Positiv ist allein, dass die IS-Terrorbanden zurückgeschlagen wurden – ein Erfolg der internationalen Koalition, der aber auch dem Konto der Kurden gutzuschreiben ist.

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