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Flüchtlingsdrama : Das schnelle Geld auf der Balkanroute

Zwei Frauen mit ihren Kindern freuen sich über die Ankunft auf der griechischen Insel Kos Bild: AFP

71 Menschen starben eingepfercht im Laderaum des in Österreich entdeckten Lastwagens. Warum begeben sich Flüchtlinge in die Hände solcher Henker? Auf den Spuren der Schlepper und Schleuser.

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          Es waren nicht zwanzig, auch nicht fünfzig, wie es zunächst hieß, sondern 71 Menschen, die in diesen Laderaum von vielleicht 15 Quadratmetern gepfercht worden waren: 59 Männer, acht Frauen, vier Jungen von acht bis zehn Jahren und ein kleines Mädchen, höchstens zwei Jahre alt. Woher sie kamen, dazu gibt es bislang nur eine Spur, ein syrisches Dokument, das einer von ihnen bei sich trug. Ob sie alle Syrer waren, lässt sich noch nicht sagen, auch nicht, ob man sie überhaupt je alle wird identifizieren können. Aber Nachrichten fliegen schnell um die Welt. Bei der Polizei in Eisenstadt, der Hauptstadt des Burgenlandes, sind schon viele Anrufe oder E-Mails besorgter Leute eingegangen, die von ihren Angehörigen, die sie offenbar in dieser Gegend vermuten, ein Lebenszeichen vermissen.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In der Nacht zum Freitag sind die Toten nach und nach geborgen worden, nachdem die Spurensicherung ihre Arbeit getan hatte und der 7,5-Tonner in die Veterinärgrenzdienststelle Nickelsdorf geschleppt worden war, wo ein hinreichend großer Kühlraum vorhanden war. Was sich im Inneren des Kühllastwagens von Parndorf abgespielt hat, wird man sich kaum ausmalen wollen. Die Polizei berichtet über „Spuren“ im Inneren wie im Äußeren. Ob sie von verzweifelten Versuchen herrührten, sich selbst zu befreien, darüber will Hans Peter Doskozil nicht spekulieren. Nur so viel sagt der Polizeichef des Burgenlandes: Die Schleifspuren außen scheinen von einem Verkehrsunfall herzurühren; der könnte aber auch vor der mörderischen Fahrt passiert sein.

          Kein typisches Schlepperfahrzeug

          Die Täter hatten den Ermittlern genügend Spuren hinterlassen, um grenzüberschreitend zügig einen Erfolg melden zu können. Drei Verdächtige wurden schon am Freitag von der ungarischen Polizei festgenommen, darunter zwei Bulgaren. Die ungarische amtliche Nachrichtenagentur MIT meldete überdies die Festnahme eines Afghanen. Einer der Bulgaren, der nach österreichischen Angaben aus dem Libanon stammt, war Halter des Wagens, die beiden anderen waren „mit ziemlicher Sicherheit“, so die Polizei, die Fahrer.

          Insgesamt waren zunächst sieben Personen festgenommen worden, doch nur gegen die drei wurde ein internationaler Haftbefehl erwirkt. Es gibt einen vierten Haftbefehl gegen eine offensichtlich noch nicht gefasste Person - wer das ist und welche Rolle er oder sie gespielt hat, darüber halten die Behörden sich bedeckt. Zwanzig Personen würden als Zeugen verhört, heißt es seitens der ungarischen Polizei. Das Auto gehörte ursprünglich einer slowakischen Firma, wurde an eine Firma mit Sitz in Ungarn verkauft und trug ungarische Zollkennzeichen. Nach den Erfahrungen der Beamten ist es kein typisches Schlepperauto - die seien sonst kleiner.

          Flüchtlingstragödie : Mehr als 70 Tote in Schlepper-Lastwagen

          Durch die Aufzeichnungen der ungarischen Mautüberwachung weiß man, dass der Kühllaster am Mittwoch in den frühen Morgenstunden im Süden des Landes, nahe der Grenze zu Serbien, gestartet und auf der direkten Strecke über Budapest in Richtung Wien gefahren wurde. Die Fahrt dauert gut vier Stunden. Als er am Donnerstag aufgefunden wurde, muss er schon einen Tag lang dagestanden sein. Es sieht so aus, als habe der Fahrer die Flüchtlinge in der Pannenbucht an der Autobahn herauslassen wollen. Dass er über die Grenze gefahren ist, obwohl er wusste, dass sie tot sind, ist unwahrscheinlich.

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