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Sowjetische Kriegsgefangene : Im Schatten der Erinnerung

„Ruhm dem siegreichen Volk“: Unterstützer der Kommunistischen Partei am 9. Mai, dem Tag des Sieges, in Moskau Bild: AFP

Die grausame Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener wurde in Deutschland lange verdrängt. Doch auch in der Sowjetunion war ihr Gedenken lange mit Scham und Angst behaftet. In Perm erinnert nun ein deutsch-russisches Projekt an ihre Schicksale.

          5 Min.

          Im äußersten Osten Europas, in der Region Perm am Ural, hat der Krieg, den sie hier den Großen Vaterländischen nennen, Gesichter wie das von Karp Makarow. Der Kolchosenarbeiter und Vater von sieben Kindern aus dem Dorf Groß-Schadejka kam im August 1941 an die Front, zwei Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Sein letzter Brief an die Familie datiert auf Ende September des Jahres; wie und wann Makarow in deutsche Hände fiel, ist unbekannt. Aber auf der Personenkarte des Kriegsgefangenen ist der Ort vermerkt, an den er zuletzt kam: das Stalag XI C (311) Bergen-Belsen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Dort, in der Lüneburger Heide zwischen Soltau und Celle, war damals ein Stammlager, Stalag, für sowjetische Kriegsgefangene. Sie hausten in wenigen Baracken oder unter freiem Himmel, in Erdlöchern und Laubhütten und starben zu Tausenden. In das Feld „Erkrankungstag, Art der Krankheit oder Verwundung“ von Makarows deutscher Karte ist das Datum 2. März 1942 gestempelt, darunter steht in reinlicher Handschrift „Allg Schwäche“. Unter „Abgang“ steht mit Datum 28. März 1942: „gestorben“.

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