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Wahl im Kosovo : Ein Sieger ohne Scheu vor Konflikten

Kosovos Wahlgewinner Albin Kurti Bild: AP

Das Kosovo stand auf der Tagesordnung der EU zuletzt ziemlich weit unten. Wenn der künftige Ministerpräsident seinen Ankündigungen Taten folgen lässt, wird sich das ändern müssen.

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          Das Wahlergebnis im Kosovo kann das kleine Land wieder zu einem europäischen Thema machen. Über Jahre stand es auf der Agenda der EU ziemlich weit unten. Angesichts der vielen anderen politischen Krisen, die den Kontinent heimgesucht haben, seit das Kosovo 2008 unabhängig wurde, waren seine ungelösten Probleme aus der Perspektive der großen europäischen Hauptstädte zweit- oder drittrangige Fragen, mit denen man sich zwar schon irgendwie weiter befasste, aber ohne großes Engagement und Nachdruck.

          So dümpelte der von Brüssel moderierte Dialog mit Serbien vor sich hin, so kam es, dass das Kosovo im Gegensatz zu seinen Nachbarn bis heute keinen visumfreien Reiseverkehr mit der EU hat. Mit einer kleinen Dosis boshafter Überspitzung lässt sich sagen: Es ging den Europäern in den vergangenen Jahren vor allem darum, mit dem Kosovo keine zusätzliche Arbeit zu haben.

          Der künftige Ministerpräsident Albin Kurti wird diese Ruhe stören. Lässt er seinen Ankündigungen eines radikalen Kampfs gegen die Korruption Taten folgen, dann sind politische Turbulenzen wahrscheinlich. Denn die Erfahrung aus anderen Ländern lehrt, dass die Nutznießer korrupter Netze es nicht widerstandslos hinnehmen, wenn ihre Geschäfte gefährdet werden. Und Kurti hat in seiner bisherigen politischen Laufbahn gezeigt, dass er keinem Konflikt aus dem Weg geht, auch nicht mit Kräften, die größer und mächtiger sind als er.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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