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Urteil im Mord an Hariri : Hizbullah am Pranger

Ein Poster von Saad Hariri auf einer Straße in Beirut: „Unsere Loyalität gehört dir. Zu Befehl.“ Bild: AP

Nur ein Mitglied der Hizbullah ist für den Mord am früheren libanesischen Ministerpräsidenten Hariri schuldig gesprochen worden. Doch das Urteil ist ein Fingerzeig auf die Schiitenmiliz.

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          Die Richter des Sondertribunals für den Libanon zur Aufklärung des Mords an Rafik Hariri haben zwar lediglich ein Mitglied der Schiitenmiliz Hizbullah schuldig gesprochen. Die Finger zeigen jedoch auf die stramm geführte Organisation, in der es keiner wagen würde, auf eigene Faust zu handeln. Das Urteil wird die aufgeheizte Stimmung im Libanon daher keineswegs beruhigen, im Gegenteil. Zuletzt haben die Debatte über die Ursachen der verheerenden Explosion im Beiruter Hafen und die Schlussfolgerungen daraus gezeigt, dass die politische und militärische Macht der Hizbullah eines der größten Hindernisse für einen Wandel des Libanons zum Besseren ist.

          Vorsichtig haben die Richter diese Klippe umschifft. Es lägen keine Beweise für eine Beteiligung der Führung der Hizbullah vor, so ihre Auskunft. Sie ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass die Angeklagten lediglich einen Auftrag ausgeführt haben können. Denn Hariri sei aus dem Weg geräumt worden, weil er Syrien und der Hizbullah im Weg gestanden habe.

          Späte Gerechtigkeit

          Fünfzehn Jahre nach Hariris Tod gibt es wenigstens in diesem Fall späte Gerechtigkeit – und damit für viele Libanesen etwas Hoffnung. Die Richter des Sondertribunals wurden zweifach Pioniere. Zum einen haben sie das erste internationale Verfahren überhaupt zur Aufklärung eines Terrorakts geführt, zum anderen benutzten sie dazu in einem großen Prozess erstmals Telekom-Metadaten, da die Angeklagten jegliche Kooperation abgelehnt haben.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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