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Streit mit Griechenland : Wie türkisch ist das Mittelmeer?

Ein türkisches Kriegsschiff begleitet ein Erdölbohrschiff nahe Zypern. Bild: AFP

Das Abkommen der Türkei mit der libyschen Regierung erbost Griechenland. Athen und Ankara ringen um Macht und Erdgasvorkommen vor ihren Küsten.

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          Anders als sein Vorgänger Alexis Tsipras im Jahr 2015 hat Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sein Amt nicht mit Drohungen und Erpressungsversuchen angetreten. Sein Griechenland soll ein verlässlicher Partner in der Europäischen Union sein, um nicht nur auf den Kapitalmärkten verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Zu Jahresbeginn wurde aber auch Mitsotakis auffallend deutlich. Wenige Tage vor der Berliner Libyen-Konferenz warnte der Athener Regierungschef, niemand in der EU solle sich einbilden, dort ohne Zustimmung Griechenlands zu Ergebnissen kommen zu können: „Es gibt ein Veto zu jeder Art von Übereinkunft zwischen der EU und Libyen, solange Tripolis nicht sein Abkommen mit der Türkei annulliert“, sagte Mitsotakis in einem Fernsehinterview. Er bezog sich auf ein Ende November in Istanbul unterzeichnetes Abkommen zwischen der Türkei und der libyschen Regierung in Tripolis. Es war ausverhandelt worden zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdogan und Fajez Sarradsch, der von den Vereinten Nationen als Ministerpräsident Libyens anerkannt wird, auch wenn seine Regierung nur noch einen Bruchteil des Landes kontrolliert.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          In dem von einem militärischen Beistandsabkommen flankierten Vertrag über die „Abgrenzung der Einflussbereiche“ legen Ankara und Tripolis auf höchst umstrittene Weise den Verlauf ihrer Seegrenzen im Mittelmeer fest. Man muss nicht Völkerrechtler sein, um das Abkommen merkwürdig zu finden. Denn zwischen der Türkei und Libyen liegen außer Kreta und Rhodos auch noch weitere griechische Inseln – deren Existenz die türkisch-libysche Abmachung aber ignoriert. In Ankara ist vom Meer als dem „blauen Vaterland“ der Türkei die Rede. Dass auch Griechenland ein „blaues Vaterland“ haben könnte, scheint keine Rolle zu spielen. Mitsotakis hat das Abkommen unlängst deshalb als „null und nichtig“ sowie „geographisch lächerlich“ bezeichnet: „Man muss nur auf die Karte sehen, um zu verstehen, dass es keine Verbindung zwischen der Türkei und Libyen gibt.“

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