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Modrow in Pjöngjang : „Kim Jong-un ist nicht verblödet“

Letzter Chef einer SED-Regierung in der DDR: Hans Modrow. Der 90 Jahre alte Politiker hat beste Kontakte nach Nordkorea. Bild: dpa

Das nordkoreanische Regime betreibt Außenpolitik nicht nur über die Botschaft in Berlin. Auch alte Kanäle in die deutsche Linke werden angezapft. Der frühere DDR-Regierungschef Modrow war kürzlich in Pjöngjang – auf Einladung von Kims Regime. Worum ging es?

          Herr Modrow, Sie waren im September auf Einladung der Kim-Regierung in Nordkorea. Weshalb?

          Modrow: Die nordkoreanische Regierung in Pjöngjang hatte mich eingeladen – und ich war auch in Peking und in Seoul. Im Norden habe ich mit Ri Su-yong gesprochen (Leiter der Abteilung für Außenpolitik der Staatspartei PdAK, Anm. d. Red.). Er hat mir gesagt, dass die nordkoreanische Führung Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel wolle und nicht interessiert sei an einem Krieg. Und er hat mich gebeten, das auch im Rahmen meiner Möglichkeiten in die deutsche Politik zu transportieren.

          Sie hatten zuvor schon von Ri einen Brief erhalten…

          Ja, und er hat im Gespräch in Pjöngjang seine Sicht der Dinge nochmal unterstrichen. Es ging auch darum, dass Nordkorea kein Interesse hat, mit Atomwaffen andere Länder zu bedrohen, sondern Balancen herstellen will in einer Region, in der die Amerikaner militärisch stark präsent sind.

          Nordkorea existiert seit 70 Jahren, die DDR, für die Sie als SED-Chef von Dresden und späterer Regierungschef verantwortlich waren, zerfiel nach 40 Jahren. Was können Sie Nordkorea raten?

          Das hat Herr Ri mir auch gesagt, da war Genugtuung zu verspüren. Nordkorea fühlt sich bestätigt, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht so sehr wie die DDR dem sowjetischen Vorbild zu folgen. Pjöngjang will vor allem die Wirtschaft entwickeln, sich selbst mehr um Wissenschaft und den technischen Fortschritt kümmern. Meine Empfehlung ging in die Richtung, die geschlossene Sonderwirtschaftszone in Kaesong wiederzubeleben, den Familienaustausch zu forcieren, Vereinbarungen miteinander zu schließen, damit nicht mehr entscheidend ist, wer an den jeweiligen Regierungshebeln sitzt. Solche Schritte waren die DDR und die BRD auch gegangen. Bevor man eine Vertragsgemeinschaft werden kann, braucht es Vereinbarungen. 

          Warum kommt das Regime auf Sie zu? Mit Verlaub, Sie sind 90 Jahre alt. Und die Linke ist nicht in der Bundesregierung, hat also nur sehr begrenzt Einfluss auf die Außenpolitik.

          Die Kanäle der Koreaner in die Bundesregierung sind derzeit verstopft. Im Auswärtigen Amt setzt man voll darauf, dass Amerika die Hebel in Korea richtig stellt. Berlin begreift nicht, dass man in dieser Region nicht nur auf Washington setzen darf, sondern China miteinbeziehen muss. Dabei sollte die Bundesregierung jetzt helfen, Vertrauen zu bilden, und nicht nur einseitig die Sanktionen gegen Nordkorea pflegen. Deshalb wendet man sich an die, die zuhören.

          Und was wollen Sie konkret tun?

          Die Linke stellt im Oktober eine Kleine Anfrage im Bundestag zur Korea-Politik der Bundesregierung.

          Auf dem Empfang zu Ihrem 90. Geburtstag in diesem Jahr waren die beiden koreanischen Botschafter eingeladen. Sie haben sich sogar gemeinsam mit Ihnen fotografieren lassen.

          Ja, es gab die Gelegenheit, dass sie beide miteinander sprechen und sich nicht nur ignorieren. Aber im Moment ist es wohl in beiden Ländern so, dass man in Seoul und Pjöngjang wenig auf die Diplomatie der beiden Botschaften in Berlin setzt, weil die Bundesregierung wenig Interesse daran hat, ihren Kurs zu ändern. Für mich ist das unverständlich, wenn man bedenkt, dass der südkoreanische Präsident Moon Jae-in im vergangenen Jahr sein Friedenskonzept für die koreanische Halbinsel in Berlin vorgestellt hat. In Berlin! Deutschland hat für die Koreaner eine Bedeutung.

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