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Jerusalem als Hauptstadt : Warum Trumps Israel-Entscheidung so brisant ist

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Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der amerikanische Präsident Donald Trump geben sich im Mai 2017 in Jerusalem die Hand. Trump will die amerikanische Botschaft von Tel Aviv dorthin verlegen. Bild: dpa

Mit der Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem wird Trump ein politisches Erbeben im Nahen Osten auslösen. Warum tut er das und wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Es ist ein historischer Schritt: Die Vereinigten Staaten erkennen Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Das wird Donald Trump nach Angaben aus dem Weißen Haus an diesem Mittwoch verkünden. Auch die amerikanische Botschaft soll von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werden. Seit der Staatsgründung Israels hat jeder amerikanische Präsident diesen Schritt sorgsam vermieden – aus vielen Gründen. Trump wird ein politisches Erbeben im Nahen Osten auslösen.

          Warum macht Trump das? Was könnten seine Gründe sein?

          Angesichts der Tragweite ist das nicht ganz klar. Ja, er löst ein Wahlversprechen ein. Auch wird Trump damit neuerlich seine Basis begeistern. Aber um die muss ihm gerade eigentlich gar nicht bange sein – und auf der anderen Seite nehmen die Vereinigten Staaten nun eine schwere Eskalation in Nahost wenigstens billigend in Kauf. Trump verprellt eminent wichtige Partner nicht nur in der arabischen Welt. Von praktisch allen Seiten wird die Anerkennung Jerusalems mit einem Ende des Friedensprozesses gleichgesetzt. Das ist ein sehr hoher Preis.

          Warum ist Jerusalem die Lunte am Pulverfass Nahost?

          Die Stadt ist Juden, Christen und Muslimen heilig. In der Altstadt liegt der Tempelberg (Al-Haram Al-Sharif: Das Edle Heiligtum). Er gilt Juden und Muslimen als bedeutendes Heiligtum. Nach islamischem Glauben ritt der Prophet Mohammed von dort aus in den Himmel. An dieser Stelle steht heute der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel. Daneben befindet sich die Al-Aksa-Moschee. Die Stätten bilden das drittwichtigste islamische Heiligtum. Für die Juden ist der Ort ebenfalls von höchster Bedeutung, weil dort zwei jüdische Tempel standen. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels, der von den Römern im Jahr 70 zerstört wurde.

          Wie waren die ersten Reaktionen auf die Gerüchte einer Ankündigung?

          International – mit Ausnahme Israels – ausnahmslos sehr kritisch bis verständnislos. Viele Anrainer in Nahost, aber auch Länder wie Deutschland oder Frankreich verwiesen auf das gewaltige Eskalationspotenzial nach Trumps Entscheidung. Die Türkei drohte Israel mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Die Arabische Liga berief eine Dringlichkeitssitzung für Samstag in Kairo ein. Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov rief zu neuen Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts um Jerusalem auf. Der Papst warnte vor der Anerkennung und rief alle Parteien dazu auf, den „Status Quo“ der Stadt zu respektieren. In den Vereinigten Staaten kommt dagegen große Zustimmung von den Evangelikalen und auch von wichtigen Großspendern für den Republikaner wie dem Kasinobesitzer Sheldon Adelson. Israels Erziehungsminister Naftali Bennett sagte, die Entscheidung sei „ein sehr guter Schritt nach vorn, aber ein natürlicher“.

          Wie ist die Situation in Jerusalem entstanden?

          Israel eroberte 1967 im Sechs-Tage-Krieg unter anderem Ost-Jerusalem und annektierte es später. Die internationale Gemeinschaft erkennt diesen Schritt nicht an. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen unabhängigen Staat Palästina in Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Israel beansprucht die ganze Stadt für sich. Die Altstadt mit der Klagemauer und dem Tempelberg liegt in Ost-Jerusalem.

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