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Darfur : Zersplitterte Verhandlungsparteien

Bild: F.A.Z.

Viele Darfur-Rebellen boykottieren die Gespräche in Libyen. Doch an den Verhandlungen hängt die Hoffnung der Vereinten Nationen, dass es in Zukunft einen Frieden zu sichern geben könnte.

          Für Revolutionsführer Gaddafi ist es nicht viel mehr als ein Streit um ein Kamel. Unglücklicherweise hätten sich in die Auseinandersetzung zwischen ein paar Stämmen in Darfur aber dann „die Supermächte eingemischt, denen es um Öl und anderes geht“. Von diesem Samstag an kann Gaddafi in seiner Heimatstadt Sirte seine Theorie dem Realitätstest unterziehen. Zum ersten Mal seit gut eineinhalb Jahren verhandeln Unterhändler Khartums wieder direkt mit Rebellenführern aus der westsudanesischen Krisenprovinz.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Libyen ist der Gastgeber und hat damit eine undankbare Aufgabe übernommen: Es gab fast so viele Absagen wie Zusagen; bis zuletzt wussten die Libyer nicht, wie viele Stühle sie am Konferenztisch bereitstellen sollen (Siehe auch: Boykott: Darfur-Gespräche ohne Rebellen). Eingeladen haben die Darfur-Beauftragten der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU) mehr als 15 Gruppen, von denen aber knapp die Hälfte nicht nach Libyen reisen wird. Zu den Boykotteuren gehören auch die beiden wichtigsten Gruppen: Die Fraktion der „Sudan Liberation Army“ (SLA) von Abdelwahid Nur weigert sich schon seit Monaten, an Verhandlungen teilzunehmen.

          Zerstrittene Rebellen

          Am Mittwoch sagte dann auch noch das „Justice and Equality Movement“ (Jem) unter Führung von Khalil Ibrahim ab. Und am Donnerstag bezichtigte sich diese Gruppe eines Angriffs auf eine Ölförderanlage in Sudan, bei dem etliche Regierungssoldaten getötet und ein Kanadier sowie ein Iraker entführt worden seien. Die Regierung bestätigte nichts davon, doch die Jem kündigte weitere Attacken an.

          Die Rebellen aus Darfur sind zerstritten und führen oft selbst Krieg gegeneinander. Aber auch in Khartum gibt es eigentlich keine Führung mehr, die für das ganze Land spricht. Die früheren SPLM-Rebellen aus dem Süden haben die „Regierung der nationalen Einheit“ mit Baschirs Nationaler Kongresspartei (NCP) verlassen und wollen sich auch nicht an den Gesprächen in Libyen beteiligen. Das hielt sie aber nicht davon ab, in einem letzten Versuch in Juba, der Hauptstadt Südsudans, den Rebellen zu helfen, mit einem gemeinsamen Programm nach Sirte zu fliegen.

          Die Zersplitterung hat sich noch einmal beschleunigt

          Schon einmal wurden in der nigerianischen Hauptstadt Abuja Friedensgespräche geführt. Das Abkommen im Mai 2006 unterzeichnete aber nur die SLA-Fraktion unter der Führung von Minni Minnawi, obwohl es damals noch relativ übersichtlich zuging. Den sudanesischen Regierungsvertretern saßen zu Beginn der Gespräche Ende 2004 nur Vertreter von Jem und SLA gegenüber. Am Ende der Friedensverhandlungen waren es mehr als ein halbes Dutzend Rebellengruppen, heute sind es nach zurückhaltenden Schätzungen mehr als 20 - zahllose kleinere Abspaltungen nicht eingerechnet. UN-Mitarbeiter in Khartum bemühen sich eher hilflos, den Überblick mit bunten Verlaufsgrafiken zu behalten, die an Darstellungen chemischer oder physikalischer Zerfallsprozesse erinnern.

          Die Zersplitterung hat sich noch einmal beschleunigt, nachdem der UN-Sicherheitsrat Ende Juli beschlossen hat, schon bald mit Blauhelmen die überforderten Friedenstruppen der AU zu unterstützen. Offenbar erwarten die Rebellen, dass es bei einem baldigen Ende des Konflikts in Darfur bald etwas zu verteilen gibt. Der Führung in Khartum ist das nicht unrecht, denn ein zersplittertes Gegnerfeld stärkt die eigene Position. Aber es melden auch immer mehr arabische Rebellengruppen Ansprüche gegenüber der sudanesischen Regierung an.

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