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Darfur : Das ist unser Srebrenica

  • -Aktualisiert am

Flüchtlinge nahe El Fasher, der Hauptstadt von Nord Darfur Bild: dpa/dpaweb

In der westsudanesischen Provinz Darfur führen arabische Milizen einen Vertreibungskrieg gegen die schwarze Bevölkerung. Sie stehlen das Vieh, die Ernte, das Wasser - Hunderttausende sind vom Tod bedroht.

          8 Min.

          Das Beängstigende ist diese Stille. Totenstille, in der das Knarren der aufgebrochenen Metalltüren, an denen der heiße Wüstenwind reißt, wie ein letztes Stöhnen klingt. Es ist ein Geräusch, das durch Mark und Bein geht.

          Trbiba muß einmal ein blühender Ort gewesen sein; es sind nur ein paar Kilometer bis zur Grenze nach Tschad. Der große Marktplatz zeugt von einem einst geschäftigen Treiben in der sudanesischen Grenzstadt. Die Läden sind wie die meisten Wohnhäuser aus Ziegeln gemauert - Zeichen bescheidenen Wohlstands. Es gibt, oder besser, es gab eine Schule in Trbiba, die funktionierte, eine Durchgangsstraße und am Ortsrand große Hirse- und Getreidespeicher.

          Die Speicher sind mit Handgranaten gesprengt, die Moschee des Ortes ist nieder- und viele Häuser sind ausgebrannt. Trbiba wurde erst vor zwei Wochen zerstört von den arabischen Djandjawid-Milizen, die im Auftrag der Regierung in Khartum einen Vertreibungskrieg gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung der westsudanesischen Region Darfur führen - obwohl gerade erst ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Khartum und den beiden Rebellengruppen in Darfur, der „Sudan Liberation Army“ (SLA) und dem „Justice and Equality Movement“ (JEM), verlängert worden ist.

          Die 30 Rebellen der SLA schwärmen beim Betreten der Stadt vorsichtig aus. Die beinahe gelöste Stimmung ist verflogen. Sie sind nervös und wirken angespannt, die Sicherungshebel ihrer Gewehre sind längst auf Feuer gestellt. Dabei ist zwischen den niedergebrannten Gebäuden keine Menschenseele zu sehen, nicht einmal ein magerer Hund streunt durch die verwaisten Straßen. Im Dornengestrüpp vor der Schule hängen Seiten zerfledderter Lehrbücher. Die Geschäfte sind geplündert.

          Ein Völkermord, der seinen Namen nicht nennt

          „Das ist die Art, auf die Khartum sein Versprechen hält“, sagt Jamal Abaker und umschreibt mit einer weiten Armbewegung das ganze Ausmaß der Zerstörung. Jamal hat einmal Jura in der sudanesischen Stadt Juba studiert. Bis er merkte, daß er nie eine Stelle bekommen würde, weil er der „falschen“ Ethnie angehört. Jamal ist Massalit, die neben den Fur und den Zaghawas Opfer eines Völkermordes in Darfur sind, der seinen Namen nicht nennt.

          Seit Februar 2003 ist Jamal nun Mitglied der SLA, um sich gegen die systematische Vertreibung der Schwarzafrikaner durch Araber zu wehren. Seither zieht er mit einer Gruppe abgerissener Rebellen durch das Grenzgebiet, um die nach Tschad geflohenen Sudanesen vor Übergriffen der Djandjawid zu schützen. Mehr können die Rebellen nicht tun angesichts ihrer alten Waffen und ihres Mangels an Logistik und Kommunikationsmitteln.

          Am Ortsrand von Trbiba fallen Schüsse. „Djandjawid“, flüstert Jamal und drängt zum Aufbruch. Einer der Kämpfer geht hinter einer Mauer in Deckung und feuert seine Panzerfaust in Richtung der vermeintlichen Position der Milizen ab. Das Ganze wirkt irgendwie komisch, denn die Panzerfaust ist so alt, daß der Abzug schlackert, das Visier ist verzogen, und der Schütze ist ebenso mutig wie unerfahren. Der Rest der Truppe zieht sich schleunigst zurück und marschiert in Richtung Grenze. Die Djandjawid werden von der sudanesischen Luftwaffe unterstützt; die SLA hat nicht einmal eine Waffe für jeden Kämpfer.

          Kontrolle durch Djandjawid-Milizen

          Die Djandjawid scheinen Darfur mittlerweile völlig zu kontrollieren. Die SLA ihrerseits beherrscht südlich der Stadt Al Junayana nur noch einen schmalen Streifen entlang der Grenze zu Tschad, der bestenfalls zehn Kilometer weit nach Sudan hineinreicht. Was sich jenseits dieser Linie abspielt, weiß niemand.

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