https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/darf-schottland-nochmals-ueber-unabhaengigkeit-abstimmen-16934684.html

Schottische Unabhängigkeit : Konfrontation mit London

  • -Aktualisiert am

Entschlossen: Regierungschefin Nicola Sturgeon Bild: dpa

Frust über die Politik von Premierminister Boris Johnson in der Corona-Krise und der erzwungene Brexit lassen Befürworter der Unabhängigkeit Schottlands Morgenluft wittern. Ein Konflikt mit Eskalationspotential.

          1 Min.

          Politik stärkt oft genau die Kräfte, die sie eigentlich klein halten wollte. Dem britischen Premierminister Boris Johnson, in jüngster Zeit ohnehin etwas glücklos agierend, ist dieses „Kunststück“ nun auch geglückt. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat angekündigt, ein Gesetz über ein neues Unabhängigkeitsreferendum für ihr Land auf den Weg zu bringen.

          Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, denn erstens tritt Sturgeons Partei schon immer für die Trennung vom Vereinigten Königreich ein. Und zweitens führt juristisch der Weg zur Unabhängigkeit unabdingbar über das Unterhaus in London. Dort aber zeichnet sich keine Zustimmung für eine weitere Volksabstimmung im Norden der Insel ab.

          Alles Theaterdonner also? Johnson sollte sich seiner Sache – außerhalb des formalen juristischen Rahmens – nicht zu sicher sein. Zum einen hat er gerade in Schottland mit seiner erratischen Politik in der Corona-Krise noch mehr Sympathien verspielt als ohnehin schon.

          Hinzu kommt ein Thema, das im Angesicht des Virus etwas an Aufmerksamkeit eingebüßt hat. Schottland wollte nie aus der Europäischen Union austreten, die Schotten sind aber durch die Umstände dazu gezwungen worden. Kein Wunder, dass viele jetzt den Konfrontationskurs ihrer Ersten Ministerin gegenüber London unterstützen. Hoffentlich waltet auf allen Seiten genug Klugheit, um Verhältnisse wie in Katalonien zu verhindern.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Weitere Themen

          Jair Lapid hat das Ziel fast erreicht

          Neuwahl in Israel : Jair Lapid hat das Ziel fast erreicht

          Lange Zeit galt Jair Lapid als politisches Leichtgewicht. Doch er war die treibende Kraft hinter der nun zerbrochenen Koalition. Jetzt wird er, zumindest geschäftsführend, Ministerpräsident.

          Topmeldungen

          Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping am 30. Juni in Hongkong

          Xi Jinping zu Besuch : Polizeistaat Hongkong

          China kann die einst liberale Stadt Hongkong nur mit Zwang integrieren. Das sagt etwas über die Strahlkraft des chinesischen Entwicklungsmodells.
          US-Präsident Joe Biden bezeichnete ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Klimapolitik als „schreckliche Entscheidung“.

          Urteil des Supreme Court : Schwerer Rückschlag für Bidens Klimapolitik

          Amerikas Präsident Biden spricht von einer schrecklichen Entscheidung, nachdem der Oberste Gerichtshof die Kompetenzen der US-Umweltbehörde EPA beschnitten hat. Seine Klimapläne kann er jetzt nur viel schwerer umsetzen.
          In nur zehn Minuten beim Kunden: Das Start-up Gorillas bietet Lebensmittel per Lieferdienst

          Unprofitables Liefergeschäft : Es wird eng für Gorillas

          Lebensmittel in zehn Minuten – dieses Geschäftsmodell hat der Lieferdienst etabliert. Doch nun könnte ihm das Geld ausgehen. Hinter den Kulissen wird offenbar an einem Verkauf des Unternehmens gearbeitet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.